Hallo Zusammen,
selbst mal ein Thema starten, muss das wirklich sein? Aus der bequemen Couch zu stänkern ist doch viel einfacher
. Und dann auch noch über Klassik, ist ja so gar nicht meine Welt.
Aber hilft ja nix, ausgelöst hat's eigentlich der Thread Das Geheimnis des guten Klangs. Hier wurde für meinen Geschmack offensichtlich, dass manchen das Thema Musik und damit die Basis der ganzen Diskussionen hier ziemlich egal zu sein scheint. Man erfreut sich bei der Wiedergabe am gehörten scheinbar nur dann, wenn der Klang den eigenen Vorstellungen von Perfektion entspricht. In englischsprachigen Foren werden solche Leute gerne mal als Gear-First-Listener bezeichnet, also jemand der beim Hören primär auf Geräte und Geräte-Klang achtet.
Mein Ding ist das nicht, ich höre lieber Musik und wenn's toll klingt - um so besser. So viel zur Einleitung.
Am Freitag lief mir dann im Qobuz-Magazin folgender Artikel über den Weg Blind gehört – Erik Bosgraaf „Frans Brüggen ist der Dalai Lama der Blockflöte“. Der Dalai Lama der Blockflöte, Comedy oder doch ein Cartoon? Die Neugier besiegt dann doch die allergischen Reaktionen auf die Titelzeile und ich hab angefangen zu lesen.
Dabei handelt es sich um eine Interview-Reihe aus der Rubrik "Blind gehört" aus dem RONDO, einem Klassik- & Jazz-Magazin. In der Reihe werden renommierte (vornehmlich deutschsprachige) Musiker aus den Bereichen Klassik und Jazz einer Art Blind-Test unterzogen bei dem sie die gehörten Einspielungen kommentieren und auf ihre Art "bewerten".
Und da fing es für mich an spannend zu werden. Mit welcher Treffsicherheit hier die gespielten Werke und vor allem auch die jeweiligen Interpreten erkannt wurden finde ich schon erstaunlich. Das dabei aber auch meist problemlos eine historische Einordnung der Aufnahme erfolgte und auch die verwendeten Instrumente bis hin zur Besaitung erkannt wurden, hat schon fast "Wetten das"-Charakter.
Und jetzt der Bogen zu "Geheimnis des guten Klangs". Hier scheut sich keiner der Musiker bei der Bewertung seiner Kollegen (mehr oder weniger charmant) auf Unsauberkeiten bei der Intonation, fehlendes Timing, zu viel oder zu wenig gespielte Noten!, Interpretations-Mängel oder ähnliche Dinge mehr hinzuweisen.
Ich hab mir dann mal die "Mühe" gemacht und bei ein paar Beispielen (auch Blockflöte, aber meistens Geige und Cello) querzuhören, also ein Werk gespielt von verschiedenen Interpreten. Es strengt mich schon an hier länger konzentriert zuzuhören, vor allem weil es so gar nicht "meine" Musik ist. Aber nach einigen Versuchen lassen sich dann auch für einen ungeübten Laien wie mich Unterschiede erkennen die sich eben hauptsächlich auf die Art der Interpretation zurückführen lassen und nur am Rande mit technischem Equipment/Studio/Mixen und Mastern oder meiner Wiedergabekette zu tun haben.
Und wofür jetzt so viele Worte? Aus meiner Sicht ganz einfach, hört mehr Musik und weniger Equipment. Es gibt so viel mehr Musik zu entdecken da draußen.
Gruß und einen schönen Sonntag
Erich
