Fotoreportage: Wie werden Schallplatten hergestellt?

  • Hallo Wissensdurstige,


    die nachfolgenden Beiträge wurden dem Thread über den Besuch im Schallplattenwerk Pallas entnommen. Sie demonstrieren in Wort und Bild, wie Schallplatten gefertigt werden. Da das in diesem Forum in solcher Konzentration noch nicht zu sehen war, ordnen wir diese Beitragsfolge bis auf weiteres als "wichtig" und lehrreich ein.
    Unser Dank geht an Thorsten, der sich mit der Aufbereitung ersichtlich viel Mühe gemacht hat.


    Gruß
    Gerd





    Die ersten Produktionsschritte:


    Pallas stellt die Folien nicht selbst her sondern bekommen diese aus einem Schneidestudio vom Verlag angeliefert. Diese Folien sind im Prinzip die ersten Direktschnitte, die vom Masterband im Schneidestudio gefertigt werden.


    Diese Folien werden zuerst gewaschen:



    ... dann werden diese Folien auf einen schnell drehenden Teller gebaut und in einer art Lackiervorgang versilbert und so für die Galvanik vorbereitet um nachher die _Mutter_ zu bekommen.
    Diese Vorgänge, Versilbern und Galvanik, sind die wichtigsten Schritte und werden bei Pallas von einem sehr erfahrenen älteren Herren durchgeführt. Her Neumann erzählte uns, dass es schwer sein einen Nachfolger für diesen Mann zu _züchten_



    Man kann den Vorgang des Versilberns nur schlecht sehen, da es in einer Kabine gemacht wird und der Nebel die Sicht behindert.


    Dann wird diese versilberte Folie ordentlich gewaschen, und zwar mit destilliertem Wasser, dass Pallas selbst herstellt!



    Aber so sieht die versilberte Folie vor der Galvanik dann aus:


    Thorsten


    Ich höre Black-Music [Soul & Funk] von Vinyl mit
    LINN Sondek LP 12, DIY Keal, Lingo, EKOS II, TROIKA ES || Linn Linto || Linn Majik DS || Technics RS 1500 || NAIM NAT 02, CD 3.5, NAC 72 + HiCAP || DIY NP Firstwatt F3 || LINN ESPEK || SauBär

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  • So,


    hier nun der Weg von der Mutter zum Sohn/Matrizze.


    Der Sohn wird galavanisch erzeugt, daher erstmal ein paar Bilder der Galvanikanlage:



    ... hier ein Blick in eine der Kammern:



    Auf die runde Scheibe wird nachher die versilberte Folie mit einem Gummiriemen aufgespannt. In dem grünen Korb befinden sich Nickelkügelchen, sieht man leider schlecht.


    Hier wird nun das Trennmittel auf die Folie gebracht, um nachher den Sohn/Matrizze besser lösen zu können. Das ist der einzige Punkt wo ein Trennmittel benutzt wird!



    nach dem nun das Gebilde aus der Galvanik kommt müssen Mutter und Sohne getrennt werden, mit einer art Beitel, sieht brutal aus:



    ... und dann hat man den neugeborenen Sohn in der Hand:



    (Im Spiegelbild ist Peter alias Amati zu sehen;))


    Mutter und Sohn nebeneinander.



    Jetzt kommt das Mittelloch in die Matrizze. Dazu wird sie auf eine art Plattentellergelegt und anhand der Endlosinnenrille wird mit einem Mikroskop und einem Fadenkreuz der _Rundlauf_ getestet. Es wird die Matrizze immer mit leichten Schlägen verschoben bis es passt.



    das Bild ist leider etwas verwackelt da ich das Bild ohne Blitz machen musste, da man sonst das Mikroskopbild nicht gesehen hätte.


    Als nächster Schritt wird der Sohn von der Rückseite geschliffen. Warum habe ich nicht mitbekommen. Das ging recht unspektakulär in einer Maschine vor sich, daher auch kein Bild.


    Als Abschlussarbeit am Sohn wird er noch in vier Durchgängen gereinigt und poliert:



    PS: Doch noch nicht ganz fertig. Der Sohn wird noch in dieser Presse



    gepresst um die kleinen Wülste an der Einlaufrille und den etwas dickeren Labelbereich zu erzeugen.


    Thorsten


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  • So,


    nun kommen wir zum anstößigstem Thema des Tages, was uns auch dank Herrn Neuman sehr viel Spaß gebracht hat.


    Hier ist er, der Mutterstecher 8o



    Die Mutter, die galvanisierte/versilberte Folie lässt sich ja wie eine Normale Platte abspielen, mit einem _fast_ normalem Plattenspieler:



    Genau das tut der junge Mann den ganzen lieben Tag lang. Und zwar nicht so wie wir es gewohnt sind, sondern Umdrehung um Umdrehung. Er versucht dabei kleinste Unreinheiten, die beim normalen Abspielen knistern verursachen würden zu entfernen. Er sucht die Stelle nach Gehör, in dem er die Platte wie ein DJ hin und her scrached und muss dabei Rillenmodulation und Verunreinigung auseinanderhalten.


    Hat er eine Stelle gefunden untersucht er diese mit dem Mikroskop:



    und hobelt diese Stelle mit einem kleinen Stecheisen glatt - WAHNSINN!


    Er vernichtet dabei übrigens alle drei Tage ein Stanton System!


    Für all diese Arbeiten braucht man bis dahin schon Leute mit sehr viel Enthusiasmus - Respekt!

    Thorsten


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  • Nun zur Produktion


    das lässt sich mit Bildern nur schlecht beschreiben. Ich werde aber mal ein paar Bilder einstellen und etwas dazu schreiben.


    Hier einmal ein Automat als Gesamtbild:



    Diese Maschine produziert unsere Schallplatten ganz automatisch und tütet sie auch noch ein.


    Zunächst das Presswerk:



    Hier sieht man oben und unten jeweils die Söhne/Matrizzen der A und B Seite der späteren Schallplatte und die Vinylwurst die bereits in der Mitte liegt.


    Die Maschine holt sich zu der Vinylwurst noch die beiden Labels und presst das Ganze platt. Nach dem der Druck vollständig aufgebaut ist verweilt die Platte für ca. 30 Sekunden. Danach dreht sich der dreiarmige Teller um 120° weiter, so dass die nächste Platte gepresst werden kann.


    Während dieser Zeit kann die zuvor gepresste Platte auskühlen und die Platte, die davor gepresst wurde liegt noch auf dem dritten Teil des Tellers. An dieser Stelle wird nun automatisch das Überschüssige Vinyl am Rand abgestochen und eine Mimik befördert diese Platte in eine Hülle. Mit der Hülle wird die Platte in eine Box gelegt und darauf wird noch eine Stahlplatte gelegt - ganz automatisch.


    Ich habe mich erinnert, das meine Kamera auch eine Videofunktion hat und habe versucht diesen Vorgang auf mehreren Filmchen fest zu halten. Ich werde diese Filmchen nachher als Anhang hochladen. Ich habe leider keine Möglichkeit diese Filmchen zusammenzuschneiden. Vielleicht kann das jemand von euch übernehmen.


    Hier sieht man, wie gerade eine Matrizze für eine neue Produktion ausgetauscht wird.



    Bei Pallas steht eine Strasse von sechs Pressen, die automatisch produzieren:



    Nach dem die Platten produziert sind sind, müssen sie in ihren Boxen mit den Stahlplatten zusammen 24 Stunden abkühlen:


    Thorsten


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  • Noch mal ein paar Bilder zur halbautomatischen Produktion:


    Hier die Presse:



    die manuell bedient werden will:



    Wie man auf den Bildern sieht, ist der Maschinenpark, der der Firma Pallas zur Verfügung steht nicht mehr der Neueste. Nicht, dass der Herr Neumann nicht in neue Maschinen investieren will, sondern es gibt ganz einfach keine neuen Maschinen für die Produktion von Vinyl.
    Alle Maschinen sind entweder aus der Historie, oder wurden von alten Vinylproduzenten aufgekauft.
    Wenn etwas kaputt ist, steht entweder ein Ersatzteillager neben der produktiven Maschine:



    oder es muss sehr aufwendig von Maschinenbauern nachgefertigt werden.


    Bei Pallas werden auch Bunte Vinylscheiben und Picturediscs produziert. Das Granulat dafür lagert allerdings nicht in dem oben abgebildeten Silo, sondern in der Halle direkt hinter der automatischen Produktion



    Die Fertigung einer Picturedisc währe sicher noch interessant gewesen, aber zurzeit gibt es keinen Auftrag dafür.

    Thorsten


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  • Nach dem unsere Lieblinge nun fertig sind, müssen sie natürlich noch verpackt werden.
    Dies geschieht in der _Wischerei_ Das ist ein Relikt aus alten Zeiten. Da wurden die Platten vor dem Eintüten noch mit einem antistatischen Mittel abgewischt.


    Hier die Qualitätskontrolle:



    hier werden die Platten optisch kontrolliert und evtl ein doppelt aufgebrachtes Lbel entfernt. Je nach Kundenwunsch auch in einer gepolsterte Innenhülle umgetütet.



    Hier werden die Platten in die entsprechenden Cover gesteckt und gestapelt. Hier einige Rolling Stones:



    Danach werden sie noch in Folie eingeschweißt:



    Wie man auf den Bildern sehen kann ist bei der Fertigung unserer Schallplatten ein sehr hoher Anteil an Handarbeit. Von daher muss man vor dem Enthusiasmus der Firma Pallas den Hut noch etwas tiefer herunterziehen, vor allem wenn man hört, was so eine Platte in der Herstellung kostet! (Ich werde das nicht hier nennen)


    Da der Herr Neumann ja jetzt auch AAA Mitglied ist, würde ich ihm das lieber überlassen Pallas-Interna in ein öffentliches Forum zu stellen. Vor Allem soll er sofort Laut geben, wenn die Bilder oder Videos schon zu viel verraten.

    Thorsten


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  • Hier noch ein Bild vom Lager bei Pallas:



    In diesem Lager liegen nicht wie man vermuten könnte die fertigen Platten, sondern viel mehr die Hüllen, die die Verlage anliefern. Wenn zum Beispiel ein Verlag eine 3000er Auflage plant, dann werden erstmal alle 3000 Hüllen geschickt, aber nur 1000 Platten abgenommen! die anderen 2000 Hüllen bleiben erstmal bei Pallas am Lager, bis der nächste 1000er Auftrag kommt!


    Bei Pallas werden auch noch Musikkassetten produziert. Einige kleine Verlage verlangen das noch, und darum steht da auch noch allerhand Equipment herum, bei dem unser Tom sicher feuchte Augen bekommen hat und woh auch mehr dazu schreiben kann.


    Hier schon mal ein paar Bilder:





    Thorsten


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  • Hallo,


    toller äußerst lehrreicher Bericht. Ich wohne 20 km von der Fabrik weg, und habe sie noch nicht gesehen, bzw. den AAA-Termin verpasst. Schade! Dank an Thorsten.


    Gruß von Michael