Stereo-LPs der 50er Jahre

  • Hallo Konrad,


    käufliche Stereoaufnahmen gab es schon vor den ersten Stereo-LPs auf 2-Spur Tonbändern in den USA, die Markteinführung hat bei den jeweils unterschiedlichen Plattenfirmen auch unterschiedlich lang gedauert. Mit Concert Tape / Concert Disc gab es eine weitere Firma, welche auf "frühe Stereoaufnahmen" spezialisiert war, hier erschien z.B. Dick Schorys erstes Album "Repercussion".


    Für die breite Masseneinführung von Stereoplatten mußten ja nicht zuletzt bestimmte Vorraussetzungen erfüllt sein:
    - Es mußten Tonabnehmer verfügbar sein, die die neuen Platten zumindest nicht zerstörten
    - Es mußten stereophone Schneidegerätschaften für alle Plattenfirmen zur Verfügung stehen, und die wird es auch erst ab einem bestimmten Zeitpunkt in Serie gegeben haben.
    - Die Normierung des neuen Formates hat vielleicht auch eine Rolle gespielt, vielleicht wollte man ein Chaos verschiedener Rillenbreiten und Verzerrungen vermeiden


    Das alles im Detail aufzubröseln, warum grade 1958 (oder 57) u.s.w., das kann ich auch nicht, keine Ahnung. Im Grunde ein Thema für ein ganzes Buch Technikgeschichte.... Ich glaube aber, das vermutlich mehr als eine simple Absprache unter großen Plattenfirmen eine Rolle gespielt hat.


    silberfux
    Deine DGG wurde später mit einer anderen 10" (Tannhäuser Ouvertüre) zu einer 12" in der 136er Serie zusammengebacken. Die 10" sind das Original, und 10" Stereos sind fast immer Originale. Deine Columbia könnte sogar einen gewissen Sammlerwert haben.


    Gruß


    InSch

  • Ich glaube aber, das vermutlich mehr als eine simple Absprache unter großen Plattenfirmen eine Rolle gespielt hat.


    Ich zitiere nochmal Hampel: "Die amerikanische Western Electric (Westrex) entwickelte ... ein Flankenschriftverfahren für die Mikrorille und konnte sie 1957 ... der Öffentlichkeit vorstellen."


    Wenn dann Herbst '58 als "Startzeit" vereinbart wurde, dürfte der Grund einfach die nötigen Vorbereitungen gewesen sein. Das "Verzerrungschaos" war durch diese Absprache übrigens nicht beendet.

    Einmal editiert, zuletzt von outis ()

  • Hallo Insch,


    danke für die hilfreichen Auskünfte. Sammlerwert? Ich bin begeistert, kannst Du bitte mal ne Hausnummer nennen, damit ich meine Vermögensbilanz aktualisieren kann :thumbup: ?


    Gruß von Konrad

  • Hallo Konrad,


    keine Ahnung, wieviel die wert ist, aber die Kombination von Klemperer und früher GB-Stereopressung ist eigentlich immer nicht schlecht. Ich würde mal schauen, was die Platte bei ebay oder bei einschlägigen Plattenhändlern kostet, dann weißt Du mehr....


    Gruß


    InSch

  • Hallo Peter,


    das ist cool, ich besitze zufällig den ersten Teil :)
    Finde ich musikalisch eigentlich ganz gut anhörbar, wobei ich sowieso Big Bands mag.


    Eine der ersten Capitol-Stereoaufnahmen ist übrigens die "Stan Kenton in Hifi", welche dann "Sten Kenton in Hifi Stereo" heißt und zunächst in Stereo nur auf 2-Spurband erschien (in Ermangelung der Stereo-LP). Sowohl Tonband als auch LP haben einen recht höhenlastigen "Sound".


    Leider ist meine alte Digicam derzeit nicht einsatzbereit und ich bin vor allem am Lernen, so das die Fortsetzung meinerseits hier noch etwas dauern wird... aber ich hätte da noch ein paar Platten ;)


    Gruß


    Ingo

  • analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/18333/
    Hallo steht auf dem Cover hinten drauf.
    Gruss Dieter





    Hallo Dieter,



    es wird nur ausgedrückt, dasß Design Records schon 1957 Stereoschallplatten produziert und verkauft hat. Eine davon ist wohl die, die ich als Foto beilege...



    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/21653/analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/21652/analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/21651/analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/21654/analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/21655/



    Schönen Abend



    Götz

    Systemdek II; CEC; Audio Linear TD4001,SME 3009; Dual 731; Thorens TD 325; div. MM TA; Grundig MXV ; D3A RIAA; 6N2P RIAA Übertr.; Cary VV Klone m. Übertr.; Aikido VV 6N1P/6922; Airtight ATM-1, EL 34 Triode, o. Überalles-Ggk ; 6c33 m. ECC85, Lundahl, div. Chokes, 1045CCS, Ultrapath; Luxman L-210 in class A, Toshiba TTA1943, m. GD-Audio Op-Amp in RIAA !; div. CD Pl.; Burson DA ; LS: Yamaha NS-G25 mod.; div. Schallwände m. vielen Papptröten bis 38cm; AcousticBalanceSka; Kithara; 6000 Klassikvinyl

    Einmal editiert, zuletzt von Goetz ()

  • Wie man weiß sind die ersten Stereo-LPs 1958 (oder 1957?) erschienen, jedoch gab es die Stereotechnik (per Tonband) ja bereits früher, in diesem Fall (London FFSS Osa 1317, also eine DECCA-Ausgabe für den US-Markt) wohl 1954:

    Osa.jpg


    Gibt es hier Experten, die mehr wissen, speziell über diese Aufnahme?

    Einmal editiert, zuletzt von klingklang ()

  • Hallo ,

    vielleicht lesenswert :


    Stereophonie bei der RRG (Reichsrundfunkgesellschaft)
    Stereophonie bei der RRG Im Gedenken an die Stereo-Pioniere der Reichsrundfunkgesellschaft Schon Anfang der 30er Jahre liefen nicht nur in Deutschland…
    goldohr.wordpress.com


    ......oder einfach nach RRG Stereoaufnahmen suchen . Vor der Platte kommt das Band :) :) .

    MfG , Alexander .

    EMT 927 mit Ortofon und DL 103 / SPU, EMT 948 , EMT 938 , 1 x TD 124 , Transrotor AC , RIAA - VV mit D3a , V 73 , V 81 , V 69 in TFK O 85 , Eintakt mit RE 604 und E406N , VOTT , Eckmiller O 15 , MTA Endstufe nach Frank Blöhbaum , TFK M 12a , R+S EU 6201 mit MSDC , EBU 3137/3 mit TAB USDC und ca . 8000 Röhren zum Basteln...und zum Messen ein UPL von Rohde + Schwarz

  • ja, 1958 scheint die bezeichnung "Stereophonic" oder auch "Duophonic" das erste mal auf einer schallplatten erwähnt zu sein.

    der begriff hi-fi (high-fidelity) wurde ja bereits seit 1954 erwähnt.

    hier mal ein beispiel von 1957 mit der bezeichnung "Ultraphonic", genauso wenig stereo wie vorige :)

    kam irgendwann im zuge des "modern jazz-hype" dazu, schöne version von Devil and the Deep Blue Sea mit drauf.

    kaum zu glauben wie viele schallplatten 1956-62 die bezeichnung "modern jazz" auf dem cover gedruckt hatten, dieses bsp. hier von Ronnie Lang & his All-Stars:


    IMG_5636.jpg

    IMG_5637.jpg


    noch mal zur verdeutlichung soll das keine produktwerbung sein, die herstellungsqualität dieser budget lp ist nicht so dolle.


    Viele Grüße

    Daniel

    Mein Rezept ?

    Dreimal Solar Müsli und dann LANG ABSTREIFEN...

  • Eine kleine Geschichte der Stereofonie - FIDELITY online
    Als 1958 die ersten Stereo-Schallplatten in die Läden kamen, war die Idee der mehrkanaligen Stereofonie bereits fast 80 Jahre alt.
    www.fidelity-online.de


    Sidney Frey, Chef des Plattenlabels Audio Fidelity Records, brachte 1957 die erste Stereo-Schallplatte heraus: Auf der einen Seite waren diverse Eisenbahngeräusche zu hören, auf der anderen Seite Oldtime-Jazz mit der Band Dukes of Dixieland.

    Ich wandele auf den Spuren von Karl Breh, Heinz Josef Nisius, Klaus Renner und Franz Schöler. Das sind Brüder im Glauben an eine High Fidelity Wiedergabe, wie sie mir vorschwebt, und die Schallplatte gehört als Weltkulturerbe anerkannt. AAA-Mitglied.

  • Angesichts der euphorischen berichte über die teils dramatisch guten Klangqualitäten dieser Uralt Aufnahmen frage ich mich wie sowas möglich war mit Antiquitierter Technik, und die war sowas von rückständig das sicherlich nicht mal ein gescheider Frequenzgang geschweige denn einigermassen Rauschfreiheit zustande kam, hab ja selber einige solcher alles toppender Alben in meiner Sammlung.


    gruß

    volkmar



    ps..vielleicht kennt ja noch jemand Uli Michaliks Living Stereo Plattenbesprechungen in der altehrwürdigen HEX, man könnte meinen es lohne nur noch die jagt nach diesem uralten verstaubten Plattenzeugs in so manch dunkler vergessener hinterhofgasse :P

    AAA Mitglied

    ..die zeit wartet auf niemand (Ulla Meinecke 1991)

  • ps..vielleicht kennt ja noch jemand Uli Michaliks Living Stereo Plattenbesprechungen in der altehrwürdigen HEX, man könnte meinen es lohne nur noch die jagt nach diesem uralten verstaubten Plattenzeugs in so manch dunkler vergessener hinterhofgasse :P

    Der zweite angefachte Hype nach Living Stereo/Living Presence, AFAIR hatte der

    Uli sogar 4 LP12 welche auf die jeweiligen Label justiert waren.


    Musikalisch war das aber wirklich das goldenen Zeitalter der Klassik.

    Ein Akkord reicht aus. Zwei Akkorde sind schon Grenzwertig.

    Bei drei Akkorden bist du im Bereich des Jazz.


    Lou Reed


  • Moin Michael,

    Hallo,


    ... Typisch bei den Stereoversionen ist oft die eingeschränkte Dynamik und die starke Trennung nach Links/ Rechts mit oft riesigen Löchern im akustischen Zentrum. Darum schätze ich oft die Monoeinspielungen mehr als ihr Stereopendant. Diese wuchtige Dynamik ist mit der enger gepressten Stereorille prinzibedingt eher limitiert. Bis der Consumermarkt seine Technik ebenfalls auf Stereo umgestellt hatte vergingen einige Jahre.Das erklärt auch warum erst ca. 1967 die Mehrzahl der Plattenverkäufe in Stereo auf den Markt kamen. In Deutschland wurde der WDR Rundfunk 1966 auf Stereo umgestellt.


    Gruß
    Michael

    darf ich dir mal eine Probe auf Exempel empfehlen ???

    TM 1102 fc.jpg

    TM 1102 bc.jpg

    TM 1102 lab.jpg

    und ich schwör´ du wirst Abbitte leisten! Oder bezog sich das nur auf Klassik?

    cu LG Horsti

    As "Bird" remarked towards the end of hid life:

    "Civilisation is a damn good idea if someone would try it."

  • Moin Michael,

    darf ich dir mal eine Probe auf Exempel empfehlen ???

    ....

    und ich schwör´ du wirst Abbitte leisten! Oder bezog sich das nur auf Klassik?

    cu LG Horsti

    Nein, gerade bezogen auf frühe Klassik Stereoaufnahmen führender Plattenfirmen trifft diese Aussage mit den "riesigen Löchern im akustischen Zentrum" absolut nicht zu, das genaue Gegenteil ist der Fall.


    Z.B. waren die ersten Stereoaufnahmen von 1954 der Decca (viele in Genf aufgenommen) sehr sparsam mikrofoniert und haben eine enorme Tiefenstaffelung und sind relativ mittig. Erst später (v.a. ab ca. 1963) wurde durch den Einsatz von Stützmikrofonen das Stereopanorama breiter (und weniger natürlich). Die frühen Stereoaufnahmen von 1954 bis 1957 (die erst ab 1958 als Stereoplatten erschienen sind) kombinieren oft die Vorzüge einer guten Monoaufnahme mit behutsamer links-rechts Information.


    -- Joachim

  • Recht hast Du. Ich hätte mich da wirklich exakter ausdrücken müssen.


    Mit "Löcher in der Mitte" meine ich speziell die Anfänge der Consumer Stereo Aufnahmen der Sechziger mit offensivem Ping Pong Links/Rechts Stereo Panorame Klang. Grauslich.


    Dann gab es noch schlimmeres.Dieses Pseudostereo, also durch Phasenverschiebungen erzeugte Räumlichkeit des schwebenden Raumklanges. Da kann einem Übel von werden. Habe mehrere amerikanische Exemplare, Consumer, keine Klassik, deren Soundbezeichnung mir gerade nicht einfällt.


    Gruß

    Michael

  • Nein, gerade bezogen auf frühe Klassik Stereoaufnahmen führender Plattenfirmen trifft diese Aussage mit den "riesigen Löchern im akustischen Zentrum" absolut nicht zu, das genaue Gegenteil ist der Fall.


    Z.B. waren die ersten Stereoaufnahmen von 1954 der Decca (viele in Genf aufgenommen) sehr sparsam mikrofoniert und haben eine enorme Tiefenstaffelung und sind relativ mittig. Erst später (v.a. ab ca. 1963) wurde durch den Einsatz von Stützmikrofonen das Stereopanorama breiter (und weniger natürlich). Die frühen Stereoaufnahmen von 1954 bis 1957 (die erst ab 1958 als Stereoplatten erschienen sind) kombinieren oft die Vorzüge einer guten Monoaufnahme mit behutsamer links-rechts Information.


    -- Joachim

    ähnlich bei Westminster


    IMG_4335.jpgIMG_4333.jpg


    Gruß lori

  • Hallo


    Schaue gerade und finde:


    Helmut Krüger – Cream of Audio
    goldohr.wordpress.com


    Missing German stereo tapes from World War II - Anton Bruckner


    http://www.phonomuseum.at/wp-content/uploads/2012/08/Die-akust-Wahrn-Rev+ill.pdf


    Hochinteressant. Da schaue ich morgen in Ruhe durch. Da lässt sich bestimmt noch einiges finden.


    Der 4. Satz von Bruckner Sinfonie Nr. 8 mit Karajan von 1944 ist ja atemberaubend.


    Die Aufnahme von Beethoven: Klavierkonzert Nr.5 mit Walter Gieseking, Artur Rother und dem Berliner Reichssender Orchester von 1944 habe ich als japanische Schallplatte der Bruno Walter Society vorliegen...


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    Gruß von Eugen