Der Pianisten Thread

  • Ich darf nochmals kurz zu Debussy zurückkehren: Hier sollte man neben den Erwähnten auch Jacques Février nennen, zwischen dessen und Giesekings "Images" zumindest ich mich nicht so leicht entscheiden könnte.


    Dieser erstaunlich gut-entwickelte Thread quillt mittlerweile ja vor lauter höchst-interessanten Anspieltips nur so über, so dass es sich lohnt, immer wieder mal rückwärts zu lesen: Ein heißer Tip von natürlich mal wieder Moritz, scheint mir Clifford Curzon, dessen Schubert-Impromptus bei mir gerade zum ersten Mal spürbar an "King" Artur Schnabels Thron rütteln.

    Hang 'em high,

    Lutzi

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  • Ein Schmankerl habe ich vergessen: Der hier von manchem abgetane Rzewski mit "The People United Will Never Be Defeated" gefällt mir so übel eigentlich gar nicht. Wenn man mal genau hinhört, ist das doch wirklich ein sehr interessant gemachtes und ein auch für Moderne-Muffel vergleichsweise gut zugängliches Variations-Stück.

    Hang 'em high,

    Lutzi

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  • Moment, dass Rzewski Klavier spielen (und komponieren) kann, hat niemand in Frage gestellt. :meld:


    Ich fand nur den politischen Aspekt etwas albern, sonst nichts.
    Aber das ist ja inzwischen auch schon wieder historisch.


    Gruß,
    Markus

    Das große Geweine ist Himmelserlösung, Regen der Seele

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  • Dieser erstaunlich gut-entwickelte Thread quillt mittlerweile ja vor lauter höchst-interessanten Anspieltips nur so über, so dass es sich lohnt, immer wieder mal rückwärts zu lesen

    Hallo Lutz,


    damit triffst Du den brühmten Nagel auf den Kopf!
    Nur leider ist die Zahl derjenigen die sich hierzu äußern, ausgesprochen gering,
    meiner Schätzung nach nicht mehr als fünf.


    Schönen Gruß
    Reinhard

  • Am Montag las ich einen schönen Artikel über zwei junge Piano-Restaurierer,
    die Brüder Rothe aus Lautertal im Odenwald. Die beiden jungen Männer haben
    in ihrer Werkstatt ca. 50 Klaviere und Flügel stehen, welche nach und nach
    restauriert und verkauft werden. Man geht dabei sehr behutsam vor, zerlegt jedes
    Instrument, ersetzt Verschleißteile, reguliert die Mechanik, lässt aber oft sehr viel
    altes Originalholz im Instrument. "Durch altes Holz bleibt der Ton länger stehen",
    sagt einer der beiden und deutet auf einen Ibach-Flügel.


    "Detailgetreu renoviert, haben alte Pianos eine Qualität und Klangvielfalt, wie sie
    heute nicht mehr gebaut wird". Statt Bechstein oder Steinway-Flügel empfiehlt Rothe
    als tolle Alternative den fast vergessenen Klavierfabrikanten Carl Mand.


    Schönen Gruß
    Reinhard

  • Auf der Suche nach Youtube-Schnippseln der Pianistin Maria Grinberg bin ich vor ein paar Jahren auf die Video-Sammlung eines Users namens "truecrypt" gestoßen. Einfach mal stöbern: truecrypts Youtube-Kanal. Eine wahre Fundgrube vor allem historischer Pianisten aus der Sowjetunion, u.a. Yudina, Neuhaus, Sofronitsky, Oborin ...


    Grüße,


    Heinz Gelking

    Gewerblich? Privat? Nach den neuen Regeln nicht. Anderseits betreibe ich platte11.de und schreibe (wieder) für image hifi.

  • Pianistin Maria Grinberg

    Maria Grinberg musizierte mit vielen großen Orchestern der Sowjetunion,
    unter den Dirigenten Hermann Abendroth, Alexander Gauk, Karl Eliasberg,
    Kurt Sanderling und anderen.


    Sie konnte erst nach dem Krieg Schallplatten aufnehmen. Ihr Repertoir hatte
    sie in dieser Zeit stark ausgebaut. Standardwerke von Bach, Mozart, Beethoven,
    sowie den Romantikern und bis zu Schostakowitsch und Prokofjew, auch viel
    Russisches der Romantik von Liadow bis Glasunow angeeignet.



    Gruß
    Reinhard

  • Mich würde einmal Eure persönliche Einschätzung des Amerikaners Eugene Istomin interessieren. Über diesen sah ich vor Jahren mal eine Doku im Fernsehen, wie er mit seinen Steinways im Gepäck bzw. tonnenschweren Truck quer durch Amerika tourte. Die erklärte Agenda des zumal für einen Konzertpianisten angenehm unprätentiös, nachgerade hemdsärmelig rüberkommenden Mannes, der immerhin als gleichwohl viel zu wenig beachtetes Jahrhunderttalent gilt, war es die klassische Musik nicht nur in elitäre Salons, sondern auch unter das normalgebliebene Volk zu bringen.


    Man kennt ihn wohl am ehesten als Mitglied des Istomin-Stern-Rose-Trios. Ich habe hier aber auch eine uralte Columbia-Box des jungen Istomin mit Chopins Nocturnes vorliegen, die von damaligen Rezensenten künstlerisch in ernsthafter Konkurrenz zu Rubinstein gewertet wurde. Kommerziell tat sie natürlich, wie vorausgesagt, gegen den namhaften Kolossus keinen Stich.

    Hang 'em high,

    Lutzi

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  • Man kennt ihn wohl am ehesten als Mitglied des Istomin-Stern-Rose-Trios.

    Hallo Lutz,


    man kann behaupten, der Kammermusiker Istomin war wohl besser, als der Solist.
    Die Aufnahmen der Violinsonaten mit Stern und der Violoncellosaonaten mit Rose
    haben quasi Vorbildcharakter.


    Dieses Trio hat mit seinen Einspielungen Schallplatten-Geschichte geschrieben.


    Grüße
    Reinhard

  • Hallo Reinhard,


    Besagtes Trio war wirklich ganz vorzüglich, wenngleich es m.E. nicht ganz an das unübertreffliche Vorbild Casals - Cortot -Thibaud heranreicht. Die Frage ist, ob Istomin nicht zuletzt auch als Solopianist mehr Anerkennung verdient hätte. Zudem ist es ist ja alles andere als selbstverständlich, dass ein Pianist als Kammermusiker und Solokünstler gleichermaßen exzelliert. So schreibt z.B. Zubin Mehta dem Pianisten zum 75. ins Stammbuch:


    "I know his influence on countless young pianists that have been inspired by him and are enormously rich for having known him. The rare combination of being an excellent soloist and a superb chamber musician has made Eugene Istomin stand out for more than five decades as one of the greatest artists of our time."


    (zit. http://www.eugeneistomin.com/biography.htm)

    Hang 'em high,

    Lutzi

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  • ustav Leonhardt.
    Gut, mir war er manches mal etwas gar zu streng - und seine Inakzeptanz der neueren Musik mußte mir suspekt sein,


    Schon Haydn, Mozart sowieso, hätten das ähnlich gesehen, doch leider hat es Leonhardt in's falsche Zeitalter versetzt. Man darf sagen leider, denn wahrscheinlich litt er selbst daran am meisten. :rolleyes:

    Hang 'em high,

    Lutzi

    The post was edited 4 times, last by audiowala ().

  • Der Hannenheim soll sogar mehrere begeisterte Zuhörerschriften bekommen haben.
    Und ich kann Dir versichern: Da kommt was auf Tonträger! Und zwar zusammen mit den Ullmannklaviersonaten als Doppel-CD. Die 1.CD soll die Tage fertig geschnitten sein, die zweite CD wird im Sommer produziert (übrigens in Berlin in den Emil-Berliner Studios). Veröffentlich wird das ganze von EDA, vorraussichtlich im Februar 2013.


    Hallo Moritz,


    ich habe nun diesen Thread aus den Annalen des Forums gekramt.
    Aber es ist auch immer interessant, die alten Postings nochmals zu lesen.


    Wie sieht es denn mit der Veröffentlichung der oben genannten CD aus?



    Viele Grüße ins Markgräflerland
    Reinhard

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  • Ja, Reinhard, da hat sich einiges sehr ärgerlich verzögert. Dennoch rechne ich mit einer Veröffentlichung noch in diesem Jahr. Nicht immer lässt sich leider das Personalkarussel vorhersehen und wenn recht kurzfristig führende Köpfe ausgetauscht werden, hat das oftmals unschöne Folgen.
    Ich halte Euch hier allerdings auf dem laufenden und erwarte den Zeitpunkt der Veröffentlichung selber mit Spannung!
    Demnächst werden im Radio verschiedene Aufnahmen von mir zu hören sein, auch das werde ich rechtzeitig hier kund tun.

  • auch das werde ich rechtzeitig hier kund tun.


    Hallo Moritz,


    wir werden warten und sind schon sehr gespannt!


    Zunächst möchte ich einmal zurückkommen auf ein Posting von Dir, wobei Du in fachlich perfekter Manier geäußert hattest, dass Dich Wettbewerbe nicht interessieren. Zuerst konnte man vermuten, nanu, was ist das denn, aber wenn ich an den letzten Chopin-Wettbewerb in Warschau zurückdenke, dann ist genau dies eingetreten. Die Siegerin war seinerzeit ein junge Russin, von dieser Dame hört man jedoch nicht mehr sehr viel, während der "nur" Zweitplazierte Ingolf Wunder ganz gut im Rennen ist.


    Am, Samstag schrieb im Feuilleton der FAZ, die für klassische Musik zuständige Redakteurin, Eleonore Büning, unter der Überschrift: "Und die Ersten werden die Letzten sein"

    Klavierwettbewerbe sind krank, Technisches Können wird grundsätzlich höher bewertet als musikalische Poesie. Oft gewinnen die Falschen, nur wenigen Siegern gelingt später die große Karriere.


    Am Ende des sehr lesenswerten Artikels, wurde auch erwähnt, das András Schiff auch einmal an einem Wettbewerb teilgenommen hatte, er wurde vierter in Moskau 1974. Dies ist schon lange her und in Jurys geht er sowieso nicht.



    Beste Grüße
    Reinhard

  • Oft gewinnen die Falschen, nur wenigen Siegern gelingt später die große Karriere.


    Hallo Reinhard,


    So gesehen kein Grund zur Aufregung und einfach weiter ignorieren. ;)


    Jede Form des Wettbewerbs hat doch vor allem auch in der Kunst so gar nichts verloren. Wer solche Veranstaltungen, gerade auch als Teilnehmer, wirklich ernstnimmt, hat sich in der – oder vielleicht gar in die Kunst – allzuoft sowieso nur verirrt.


    Ich hätte ja mal große Achtung vor dem wahren Künstler, der die – verzeiht den Kraftausdruck – "Eier" hat, der Jury z.B. eine Mondscheinsonate wie Helge Schneider damals im TV, ich glaube in der Harald-Schmidt-Show, abzuliefern. Oder launig vom xten Kaminfeuer-Chopin- Programm abweicht und was von John Lennon, von mir aus auch Black Metal spielt.


    Von den im Faz-Artikel Genannten, wäre sowas in der Art vielleicht, auch wenn er mir sonst nicht so liegt, dem Igor Levit zuzutrauen.

    Hang 'em high,

    Lutzi

    The post was edited 5 times, last by audiowala ().

  • Daß natürlich oftmals nur der "middle-of-the road-variante" gewinnt liegt natürlich auch in der Konstruktion des Wettbewerbs. Da sitzt eine meist recht große Jury (sagen wir 6-7 Leute). Jeder vergibt Punkte und am Ende wird der Durchschnitt gebildet, das ist dann das Urteil der Jury. Nun liegt es auf der Hand, daß nicht unbedingt der interessanteste gewinnt. Denn daß man interessant ist, bedeutet auch, daß man oftmals spaltet. Daher kann es rechnerisch weit "geschickter" sein, sich auf objektive Kriterien (technisches Können) zu beschränken und interpretatorisch sich eher im Maintream zu halten.
    Was Schiff betrifft, so hat er auch seinerzeit in Leeds nur den 6. Platz gemacht, den Gewinner kennt nahezu niemand mehr.
    Ich frage mich nur oft, warum diese Wettbewerbe ihrerzeit mal eine solch große Strahlkraft hatten und auch wirklich die späteren Legenden gekürt haben. Seinerzeit mußten sich gar Ashkenazy und Ogdon einen ersten Platz in Moskau teilen (!). Aber seit ca. 20 Jahren erinnert man sich nur noch in relativ wenigen Fällen an die Gewinner.
    Allerdings muß man dazusagen, sind auch die Wettbewerbe wie Pilze aus dem Boden geschossen und nehmen sich damit eigentlich gegenseitig die Glaubwürdigkeit...
    Lutz, wie willst Du das machen? Servier der Jury das und du fliegst in der ersten von 3 Runden raus. Gut, ins Finale kommen und dann der Kracher loslassen, das hätte natürlich was - wird sich aber kaum jemand trauen, dafür ist wiederum der Aufwand zu groß überhaupt ins Finale zu kommen .
    Schonmal zum Vormerken: Es ist eine Sendung über mich am 27.7. um 21.00 in DeutschlandRadio Kultur geplant. Mit Interview. Ich gebe da aber kurz vorher nochmals laut ;)