Plattengewicht

  • 1. Warum steht bei einigen Platten das Gewicht dabei? Ist es nicht egal ob die Platte 180 oder 200gr. wiegt? ?(
    2. Ein Anbieter bietet als Service -Leistung an die Platten vorher zu waschen, ist das ok oder Abzocke?
    vg
    Reymund

  • Hallo Reymund,


    1. es gibt die umstrittene Ansicht, dass schwere Platten besser wären, weil sie dicker sind und sich daher weniger verwellen sollen. Gerade wurde das hier diskutiert:Audiophiler durch höheres Plattengewicht..? Für viele wirken sie auch einfach wertiger, als dünne.
    2. gerade bei gebrauchten Platten ist waschen schon sinnvoll. Einige waschen auch neue Platte, wegen Pressrückständen und statischer Aufladung. Ob es sich lohnt, das vom Händler in Anspruch zu nehmen muss man wohl von Preis und Menge abhängig machen.


    Gruß
    Robert

  • Hallo Reymund, ich wasche jede neue Platte vor dem Abspielen und tüte die Platte dann auch noch in eine neue Innenhülle. Neben den schon erwähnten Pressrückständen können sich auch Papierrest oder ähnliches in den Innenhüllen und damit auf der Platte befinden. Die reiben dann bei jedem Ein- und Ausstecken an dem schönen Vinyl. Wenn du viele Platten hast oder kaufst würde ich über den Kauf einer Plattenwaschmaschine nachdenken. Früher habe ich alle meine Platten bei dacapo gekauft und dort den Wasch und Eintütservice dazubestellt. Was ich nicht mehr machen würde, ist die Platten mit Last zu versiegeln. Das fängt irgendwann an grausam zu knistern.


    PS: Ich finde frisch gewaschene Platten klingen besser

    Viele Grüße


    Jörg


    Bin AAA-Mitglied und höre damit. Meine kleine Plattensammlung seht ihr im Musiksammler oder bei DISCOGS.




  • Hallo Reymund,
    ich muss den beiden beipflichten.


    Die Pressrückstände sind definitiv vorhanden auf neuen Platten.
    Wenn du dann die Waschflüssigkeit verteilen willst, gibt es Stellen die nehmen die sie nicht an, als würde es abperlen.
    Ein Art Fettfilm der von dem Trennmittel rührt, das sich das Vinyl von der Preßmatritze lösen kann.


    Für mich bei neuen Platten Pflicht...erst waschen dann hören. Bei gebrauchten ebenfalls.



    Das mit der Wertigkeit wird oft so gesehen. Wobei es klanglich nicht unbedingt so ist.
    Ich habe mir z.B. ein Reissue von einer meiner Lieblingsplatten gekauft und musste nachher feststellen, dass meine dünne Feld-Wald- und Wiesenpressung besser klingt als das neue dicke Reissue.
    Also dick muß nicht besser sein als Second Hand


    Vielleicht als Empfehlung...
    Wenn Du keine PWM hast und neue Platten kaufst, halte ich es für sinnvoll sie waschenzulassen (ob vom Versender oder einem Bekannten).
    Wenn Du bereits 2-300Platten hast und noch mehr sammeln möchtest, wäre die Anschaffung einer PWM ratsam.
    Hier im Forum werden öfter welche verkauft. So z.B habe ich habe vor 6 Wochen meine gebrauchte VPI hier verkauft.


    Ich denke unter diesen Prämissen wirst Du für Dich die richtige Entscheidung treffen.

    Viele Grüsse


    Volker


    --black is no colour, it's a philosophy-- 8)
    --you are lucky, if you live twice.....

  • Servus Reymund,


    ganz früher - also zu Zeiten von Schellack - wogen Schallplatten sogar ungefähr 300 bis 400 gr. Mit Einführung der LP und damit auch von Vinyl reduzierte sich das Gewicht erstmals. Nach Einführung der Stereoschallplatte (ca. 1958 ) ging es dann eigentlich und im Vergleich zu dem vorherigen Zeitraum (immerhin gute 50 Jahre) recht schnell mit dem Gewicht weiter abwärts, bis dann so ab spätestens Mitte der Siebziger die Industrie auf totale Einsparung setzte und ab ungefähr Anfang der Achtziger Schallplatten auf den Markt brachte, durch die man schon fast durchsehen konnte.


    Diese "platten Flundern" hatten zwei Probleme ... erstens, daß sie schnell verwellten und auch nie wirklich plan auf dem Plattenteller liegen wollten bzw. allein schon der Luftschall diese Leichtgewichte während der Abtastung derart in Vibration versetzen konnte, daß sie eben nie wirklich plan auf dem Teller zum Liegen kamen und zweitens, daß die einzelnen Rillen eigentlich nicht mehr genug Fleisch hatten, um wirklich haltbar und ohne Auswirkungen von der Rille auf der anderen Plattenseite zu sein.


    Diese dünnen AUflagen waren also alles Andere als gut.


    Ungefähr gleichzeitig fingen damals dann aber auch kleine Label mit hochwertigen Produktionen (meist Wiederauflagen von alten Klassikern) an, wieder auf schwereres und dickeres Vinyl zu setzen. Auf der einen Seite rechtfertigte man darüber den höheren Preis und konnte gleichzeitig einen Nimbus von höherer Wertigkeit und höherem Klanggenuß suggerrieren, was natürlich zu den besonders dünnen Exemplaren außer Frage steht ... nur wenn man die alten wiederveröffentlichten Klassiker auf dem damals üblichen dickeren Vinyl als Maßstab anlehnt, dann eben nicht unbedingt.


    Diese Entwicklung (also quasi zu besonderen Anläßen wieder auf dickerem Vinyl zu pressen) begann mWn bei ungefähr 150 gr, was ungefähr dem Standard der sog. Tulip-Auflagen der Deutschen Grammophon zwischen 1958 und 1965 entsprach, ging lange Zeit über quasi obligatorische 180 gr. Pressungen und führte ungefähr im letzten Jahrzehnt dann letztendlich zu den 200 gr. Pressungen, welche aber über gut die Hälfte der letzten Dekade eher in der Herstellung problematisch waren.

    Edited 2 times, last by be.audiophil ().

  • Hallo,


    ich finde Rolfs Erklärung sehr gut und historisch korrekt zusammengefasst. Ergänzend dazu möchte ich noch erwähnen dass Klanglich es theoretisch egal ist wie dünn die Lp ist, praktisch aber mechanisch, (thermisch verformbar, Welligkeit, Schwingungsanfäligkeit) ein zu dünne Platte klanglich bei der Wiedergabe im Nachteil sein kann. Es gibt allerdings Plattenspieler die das weitgehend ausgleichen können. Dazu gehören alle Typen mit einer Plattenansaug Einrichtung wie sie Luxman, Thorens hatte. Avid mach das mechanisch. Aber hier sind der Welligkeit auch Grenzen gesetzt.


    lg


    Rudi

    Vertrauen ist gut....Kontrolle ist besser

  • Hallo Reymond,


    vieles wurde hier ja schon sehr korrekt erläutert. Vielleicht daher noch ein paar Ergänzungen.


    1. Warum steht bei einigen Platten das Gewicht dabei? Ist es nicht egal ob die Platte 180 oder 200gr. wiegt? ?(


    Wie so häufig wird eine gewisse Mindestmaterialstärke mit höherer Qualität verbunden. Dies stimmt auch, wenn man in ungünstige Grenzbereiche kommt. Für den Klang von Vinyl ist es aber völlig egal, ob die LP nun 120, 150, 180, 200 oder gar 220 Gramm wiegt. Du wirst sehr gute und auch mehr oder weniger schlecht klingende Scheiben in allen Gewichtsklassen finden. Schwerere Platten fühlen sich aber eben oftmals etwas wertiger an. Man sollte aber bedenken, dass ein Höhenschlag in einer schweren Platte schlechter zu kompensieren ist, als in einer dünneren. Meine Erfahrungen sind, dass ich mir über das Gewicht einer Platte nur noch insofern Gedanken mache, als ich ggf. den VTA an die unterschiedlichen Dicken anpassen muss. Dies mache ich aber auch nur, wenn die Scheibe besonders dick oder dünn ist. Wiegt sie zwischen 120 und 180 Gramm, mache ich mir ehrlich gesagt keinen Kopf mehr darum. Auflegen, hören, und gut is.



    2. Ein Anbieter bietet als Service -Leistung an die Platten vorher zu waschen, ist das ok oder Abzocke?


    Ob es Abzocke ist, hängt vom verlangten Preis ab. Eine ordentliche Plattenwäsche dauert je nach Maschine mindestens zwischen 2 1/2 und 5 Minuten pro LP. Schneller geht es kaum. Außer man zieht sie mal eben schnell durch eine Knosti und tütet sie danach sofort wieder ein. Dann sollte man besser auf die Wäsche verzichten. Aber keine Angst. Keiner der mir bekannten Händler verfährt so. In der Regel setzen diese hochwertige Maschinen ein und behandeln die Platten auch entsprechend lange. Naja, und das hat nun mal seinen Preis. Neben der Waschflüssigkeit und der Zeit sollte auch eine neue Innenhülle spendiert werden. Daher sind Preise von bis zu 2 € pro LP durchaus gerechtfertigt.


    Waschen lohnt sich ganz klar auch bei Neuware. Ich wasche ausnahmslos jede Scheibe, bevor sie das erste Mal auf dem Teller landet. Und das lohnt sich. Denn die Scheiben klingen danach einfach besser. Außerdem werden - wie weiter oben bereits erwähnt - etwaige Rückstände vom Pressen und von den Papier-Innenhüllen (in den seltensten Fällen werde leider gefütterte Innenhüllen verwendet) entfernt und die elektrostatische Aufladung minimiert, so dass die LP während das Abspielens weniger Staub anzieht. Dein Tonabnehmer wird es Dir danken, weil er unter anderem einfach deutlich länger sauber bleibt.


    Je nachdem, wie viele Scheiben Du Dir kaufst, würde ich den Kauf einer Plattenwaschmaschine in Erwägung ziehen. Gute Modelle, wie z.B. die Cadence Okki Nokki, fangen bereits bei knapp 400,- € an. Aber auch andere Hersteller, wie Clearaudio oder Hannl Vinylcare bietet sehr gute Einstiegsmodelle an. Dies sind in der Regel Flächensauger. Wenn Du einen Punktsauger bevorzugst (deutlich leiser aber auch etwas langsamer), dann musst Du tiefer in die Tasche greifen. Aber auch die Flächensauger können je nach Ausstattung und Verarbeitung bis zu 3.000,- € kosten. Nach dem Kauf von 1.500 bis 2.000 LPs hat sich selbst dieser Preis schon wieder amortisiert. ;) Bei der Okki Nokki genügen dagegen schon 200 bis 300 neue LPs. Und die kauft man doch locker innerhalb von zwei Jahren, oder nicht?


    Gruß,


    Thorsten

    Edited once, last by dtp ().

  • Erst mal danke für die Ausführlichen Antworten. :merci: Die nächste Frage lauert schon
    viele Grüße
    Reymund

  • Moin ich bin neu hier und höre seid meinem 12 Lebensjahr Schallplatten… aber tiefer eingestiegen bin ich erst in der letzten Zeit. Also habe ich noch viel Unwissen…

    Mein Plattenspieler ist ein Dual 701 in einer Wega Zarge, geschätzt wiegt der eine Tonne. 😀 Ich bin etwas über 49 Jahre alt… und wohne im Norden , in der Stadt eines neuen Zweitligavereins… Rätsel…


    Meine Frage nun, es werden neuere LPs ja gerne als Doppel LPs hergestellt, so dass nur ca. drei Lieder pro Seite passen… das ist dann ja keine LP mehr… aber ist das klangtechnisch tatsächlich dann so viel besser, oder Augenwischerei? Ehrlich nervt mich daran nur, dass man schneller die Seite wechseln muss…


    Hat jemand damit Erfahrung? Ich denke es ist schwer zu testen da die neuen alten ja auch überarbeitet sind… bin gespannt was ihr dazu sagt… lg aus Bremen

  • Moin moin .


    Ja , gute Frage .

    Mich nerven diese „Doppel LPs“ ebenfalls.

    Ich tippe mal auf die derzeitige Unfähigkeit der Presswerke , gescheite Pressungen auf die Beine zu stellen.

    Je enger die Rillen nebeneinander verlaufen , desto schwieriger scheint mir die Produktion zu sein.

    Was vor 20 Jahren prima funktionierte , scheint heute nahezu unmöglich zu sein.


    Mittlerweile muss man sich schon freuen, wenn die Platten nicht verformt ankommen.

    Dem Kunden wird suggeriert, daß er mit diesen auf Doppel LPs langezogenen Alben eine besonders gute Qualität erhält .

    Daran glaube ich schon länger nicht mehr .

    Unfähigkeit und Profitgier sind eher die Gründe dafür.

    ...mag Musik

  • Besonders schlimm beim neuen Iron Maiden Album, da muß man gleich sechsmal laufen...


    Man wird sich bei der Aufteilung schon was gedacht haben. Die Laufzeiten der Neuveröffentlichungen sind seit der CD-Aera eher raufgegeangen, insofern stört mich die Verteilung auf 2 LPs überhaupt nicht und ich stehe gerne auf. Wenn es der Qualtität nützt, soll es mir recht sein.


    Mehr als 140g brauch ich allerdings auch nicht.


    Wie hoch ist grad die Quote der Doppel LPs gemessen an allen Veröffentlichungen? 1/3?

    "Yeah, well, that's just, like, your opinion, man."

  • Es kommt halt auf die Laufzeit an. Lieber 2 LPs als alles auf eine gequetscht, was dann z.B. bei kleinerem Rillenradius schnell zu Verzerrungen führt.

    Wenn die Scheibe nur 35 Minuten hat, dann reicht na klar eine.

    Jeder Mensch ist ein Abgrund; es schwindelt einem, wenn man hinabsieht.

  • Große Rillenabstände bei 33 Umdrehungen sind sicher der Sauberkeit und Dynamik einer Aufnahme zuträglich. Da sind dann eben nur drei, vier Songs pro Seite.

    Ich ärgere mich manchmal über 45er-LPs, wo dann entweder nur noch zwei Songs auf eine Seite passen, oder die Rillen wieder enger sind, für drei oder vier Songs...