Posts by Bluebox

    Mal wieder ein Highlight (für mich) aufgelegt, und zwar Hindemith mit Eugene Ormandy und seinem Philadephia Orchestra. Ausnahmeweise EMI. Ich besitze die deutsche "Club-Editon" der ASD 3743 und war angemehm überrascht von der guten Tonqualität. Ebenso positiv hat mich Ormandy überrascht (schon länger her), da ich ihn nicht für einen besonderen Dirigenten moderner Musik hielt. Was ich auch bei den anderen Werken Moderner, die Ormandy aufgenommen hat, schätze, ist seine sehr verständliche Interpretation. Und musikalisch stimmt bei dieser Einspielung aus dem Jahr 1979, als man Ormandy immerhin schon ein paar Jährchen als Altmeister bezeichnen konnte, natürlich alles. Nur, wer kam auf die Idee dieses Coverfotos (auch auf der ASD) - der Grafiker musste einen beneidenswert schlechten Geschmack haben. Immerhin dürfte es Kinder abschrecken...

    EMI 312504


    https://www.discogs.com/Hindem…nic-Metam/release/9395771



    Viele Grüße - Frank


    Hindemith Ormandy Cover.jpg

    Zwei Werke von Béla Bartók mit dem Orchester des Südwestfunks Baden-Baden und Rolf Reinhardt als Dirigenten aus dem Jahr 1968. Das Label Turnabout/Vox ist nach meiner Erfahrung eine Wundertüte mit Nieten und Perlen. Letzteres ist diese Platte. Tontechnisch kann die Pressung mit so ziemlich allem mithalten, was ich kenne, wenn man von Mercury Living Presence mal absieht. Musikalisch nicht schlecht, kann nach meinem Geschmack auch hier mit bekannteren Bartókaufnahmen (u.a. Solti) konkurrieren. TV 34086S.

    "Der Wunderbare Mandarin" wurde nicht so oft eingespielt, und "The Wooden Prince" schon gar nicht. Also, was könnte da als Referenz zählen? Vielleicht die Aufnahme mit György Lehel aus der ambitionierten Bartók-Edition der Hungaroton.

    Auch vom SWF und ebenfalls nicht schlecht - die "Nur für Geschenkzwecke"-LP mit Kazimierz Kord als Dirigenten des RSO, Ende der 70er Jahre. Nur, Haydn und Bartók auf einer LP passt nicht ganz. Egal, gute Platte.


    Viele Grüße - Frank


    Bartok Turnabout-Vox Cover.jpgBartok Turnabout-Vox Cover (2).jpg

    Bartok (György Lehel) Cover.jpg

    Bartok SWF Cover.jpg

    Noch eine kleine Reprise zu Schönberg, die mir da zwischen die Finger und auf den Plattenteller gekommen ist - nämlich das Arrangement von Strauss-Walzern durch das Trio, das die klassische Musik revolutionieren wollte. Und das Schelmenstück, nach dessen erster Aufführung 1921 im Wiener "Verein für musikalische Privataufführungen" die Manuskripte versteigert wurden, hört sich nicht einmal schlecht an! So gar nicht nach der Satire, die Paul Hindemith etwa 1925 aus der Overtüre zum Fliegenden Holländer verfasste (...wie sie eine schlechte Kurkapelle morgens um 7 am Brunnen vom Blatt spielt). Ab und zu dringt so ein wenig Heavymetal-Stimmung oder der fehlende Champagner (Schönberg, Berg & Webern brauchten schlichtweg Geld) in die nicht wirklich aufkommen wollende Walzerseligkeit, die das "Ensemble 13" aus Baden-Baden unter dem Dirigenten Manfred Reichert für die Dt. Harmonia Mundi eingespielt hat. Aber ansonsten...

    1c 065-99731 (1978)


    Viele Grüße - Frank


    Schönberg - Strauss-Walzer Cover.jpg

    Im Vergleich zu Schönberg & Co. waren die französischen Komponisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts eher moderate Erneuerer (Schönberg: mediokre Kitschisten), hier die zweite Symphonie von Albert Roussel (komponiert 1919-21), noch analog aufgenommen 1981 mit Pierre Dervaux und dem Orchestre Colonne.

    EMI C 069-73096.


    Viele Grüße - Frank


    ps.: was ein Hifi-Guru (Arthur Salvatore) einmal behauptet hat, dass nämlich nicht-britische EMI-Pressungen ebenfalls richtig gut sind, wenn die Aufnahme bei der nationalen EMI stattfand, die auch die Platten herstellte, kann ich anhand von einigen Beispielen immer mehr bestätigen. Ist eigentlich auch klar - man verfügte über das Studiomaster und erhielt nicht nur eine Kopie davon.


    Viele Grüße - Frank


    Roussel Symphonie 2 - Devaux Cover .jpg

    ps.: derart klanggewaltiges Material wollten natürlich auch Antal Dorati und Mercury für die "Living Presence"-Serie nicht auslassen. In meinem Besitz ist leider nur die CD, die aber immerhin noch von Wilma Cozart Fine persönlich abgemischt wurde. Gute Zusammenstellung von Stücken Schönbergs sowie seiner beiden Mitstreiter und Meisterschüler Alban Berg und Anton Webern.


    Viele Grüße - Frank


    Schoenberg - Living Presence Cover.jpg

    Einen für heutige - an Filmmusik gewöhnte - Ohren recht einfachen Zugang zu Schönberg bietet auch sein Stück "Begleitmusik zu einer Lichtspielszene" aus den Jahren 1929/30, dessen Uraufführung noch an der Berliner Krolloper mit Otto Klemperer stattfand: achteinhalb Minuten purer Klangfilm-Thriller, hier von Boulez mit dem BBC SO aufgenommen und etwas lieblos ans Ende der B-Seite noch mit draufgepackt, was diesem doch populären Stück nicht ganz gerecht wird.

    Boulez ist etwas sachlicher als Karajan oder Ozawa, der auch einiges von Schönberg einspielte, dafür aber ebenfalls mit der gewaltigen Intensität, die Werke von Schönberg anscheinend tatsächlich benötigen. Und man hört bei Boulez, dass er genau diese Musik dirigieren will.

    CBS 76577.


    Viele Grüße - Frank


    Schönberg - Boulez Cover.jpg

    eine "Verklärte Nacht", würde ich mir allerdings ebenfalls schön vorstellen!

    Hallo Reinhard,


    das ist so eine Sache. Glaubhaft überliefert von Alex Ross (amerikanischer Musikjournalist) und anderen ist die Annekdote zwischen Schönberg und dem Produktionschef von Metro-Goldwyn-Mayer, Irving Thalberg, der ihn für eine Filmmusik gewinnen wollte. Die sollte im Stile der "wunderschönen Musik" (Verklärte Nacht) sein, die Thalberg im Radio gehört hatte. Schönberg soll ihn ziemlich streng mit den Worten unterbrochen haben - "ich schreibe keine wunderschöne Musik!".

    Dass heute noch wie anno 1913 Konzertbesucher bei Le Sacre du Printemps den Saal verlassen, das hat schon was.


    Viele Grüße - Frank

    Und zum Schluss noch diese "Verklärte Nacht" vom Ensemble Instrumental De France unter Jean-Pierre Wallez als Streichsextett. Das kann in Puncto Intensität (und wahrscheinlich auch der Qualität der Musiker) mit den vorgenannten beiden nicht mithalten, ist aber trotzdem gut, erleichtert nach meiner Meinung den Zugang zu dieser Art von Musik sogar, weil das Zuhören leichter fällt, wenn auch die Musiker das Stück etwas leichter nehmen. Na ja, wenn man andere Einspielungen kennt, kann man schon auf den Gedanken kommen, eigentlich wollen sie Wiener Kaffeehausmusik machen...


    Aristocrate ‎– EA 27008 (1975)


    Viele Grüße - Frank


    Schönberg - Verklärte Nacht. Cover.jpg

    Aufschlussreich ist übrigens ein Vergleich der Craft-Einspielung der "Verklärten Nacht" mit der Karajans. Platt gesagt, bei Karajan klingt die "Verklärte Nacht" schöner, das sind selbst bei Schönberg noch die Streicherklänge in Reinkultur, wie sie HvK kultivierte, und die man mag - oder eben nicht. Nur eines kann man Karajan bei diesem Meilenstein der Moderne nicht absprechen: auch er hat das Stück mit einer außergewöhnlichen Ernsthaftigkeit und Leidenschaft eingespielt, die an seine beiden Aufnahmen der 9. Symphonie von Mahler erinnern.


    Viele Grüße - Frank


    Schönberg - Karajan Verklärte Nacht Cover.jpg

    Die "Verklärte Nacht" von Arnold Schönberg passt auch zu einem trüben Novembertag. Musikalisch phantastische Aufnahmen, kein geringerer als Robert Craft, Sekretär von Strawinsky, dirigiert 1965 das CBC SO. Natürlich sind auch die anderen Stücke hervorragend und perfekt eingespielt. Man merkt und hört, dass dies keine Standard-Produktion war, bei der eben wieder einmal Schönberg gespielt und unters Volk gebracht werden sollte. Eine späte Hommage von Robert Craft an den wahrscheinlich zweitgrößten Komponisten des 20. Jahrhunderts, zu dessen Leibzeiten eine merkwürdige Distanz zu Strawinsky geherrscht hatte - Strawinsky und Schönberg wohnten im Exil in Hollywood nur wenige Straßen voneinander entfernt ohne sich jemals öffentlich zu begegnen oder begegnen zu wollen.


    CBS SBRG 72267 und 72268 - habe ich aus dem Fundus von Reinhard übernehmen dürfen.


    Viele Grüße - Frank


    Schönberg - Robert Craft Cover.jpg

    Mit Fragen der zuvor angesprochenen Art mussten sich die Leute bei der VEB Deutsche Schallplatten weniger befassen. Hier das Wohltemperierte Klavier Teil 1 mit Swjatoslaw Richter von einer Melodija-Matrize auf Eterna. Die Aufnahmen waren ein großer Erfolg und brachten den beiden Ost-Labels via Export oder westlichen Lizenzpressungen eine Menge Devisen ein.

    Eterna 826604 (1975)


    Viele Grüße - Frank


    Bach - Richter Cover.jpg

    Wenn man dem Lizenzpartner eine Bandkopie überlässt, ist der Aufwand geringer.

    Hallo Joachim,


    stimmt und doch nicht ganz. Der geringste Aufwand für Decca, Mercury und RCA wäre es doch gewesen, in England und den USA die dort vorhandene Qualität für den Rest der Welt zu produzieren. Mit steigender Stückzahl sinken die Herstellungskosten pro Teil.


    Viele Grüße - Frank


    ps.: sorry, war im Beruf lange in der Infrastruktur tätig.

    Mit den Matrizen der englischen SXL ist man natürlich in einer viel besseren Position als mit Bandkopien.

    Das habe ich mich auch schon oft gefragt, warum RCA und Decca für die deutschen Lizenzpressungen nicht einfach Muttermatritzen oder Preßstempel nach Deutschland schickten. Wahrscheinlich war das hinsichtlich der Importbestimmungen nicht ganz sauber, denn um Einfuhrzoll zu vermeiden, mussten die Platten "Made in Germany" sein. Und wenn man bedenkt, dass z.B. der Dollar in den 70er Jahren noch rund vier DM wert war, hätten Zölle die Platten dann doch erheblich verteuert - ich meine, das britische Pfund kostete auch so um vier DM und meine ersten richtig guten Boxen stammten aus dem zollfreien PX der US-Army. Im Hifi-Geschäft hätte ich mir die nicht kaufen können. Man musste eben jemand kennen...


    Viele Grüße - Frank

    Hier ist kurioserweise die deutsche Decca-Pressung (schwarz/gold) mit einer Kopie des Studiomasters (K ZAL 6995) eindeutig besser als das englische Original, bei dem offensichtlich beim Plattenschnitt das "Stereo Spetacular" der "Phase 4" mißlungen ist oder übertrieben wurde, u.a. unnatürliche Härten bei den Bläsern und Höhen. Vielleicht wollte man das damals auch versuchsweise mal so, Deccas "Phase 4" war schließlich darauf abgestimmt, auf durchschnittlichen Stereoanlagen der 70er Jahre ordentlich Alarm zu machen. Die deutsche Ausgabe hört sich dagegen ziemlich normal, viel harmonischer, nach hifi und insgesamt doch recht gut an, weit weniger auf irgendwelche Effekte getrimmt, schön ausbalanciert. Wäre auch möglich, dass beim Kopiervorgang des Masters auf ein neues Band etwas korrigiert wurde, es also nicht an der Übertragung auf Lackfolie lag.


    Viele Grüße - Frank


    Mussorgsky Phase 4 (2) Cover.jpgMussorgsky Phase 4 Cover.jpg

    Vom gleichen Geld ein paar schöne Kurt Masur/ Annerose Schmidt-Mozart-Eternas kaufen, da hat man irgendwie mehr davon.

    Genau! Die Klavierkonzerte mit Annerose Schmidt, Kurt Masur und der Dresdner Philharmonie sind mein Geschmack. Ich hatte die Box mit 21 Klavierkonzerten in der Eurodisc-Ausgabe. Leider rein technisch von der Schallplattenproduktion her nicht ganz überzeugend (gold-schwarzes Label), also zumindest mein Exemplar, das vielleicht auch nur zu abgenutzt war. Original Eternas dürften besser sein, denn die Aufnahmen sind sehr gut, wie ich bei den (recht neuen) digitalen Remaster der Konzerte Nr. 18 bis 25 von "Berlin Classics" festgestellt habe.

    Fast egal welches Konzert man nimmt: quer durch alle Einspielungen zieht sich eine virtuose Leichtigkeit von Annerose Schmidt, dazu eine spielerische Ausgewogenheit zwischen Klavier und Orchester. Géza Anda hört sich anders an, vielleicht ernsthafter, hat aber anscheinend viel weniger Spaß an Mozart...oder so ähnlich jedenfalls.


    Viele Grüße - Frank


    Mozart Klavierkonzerte Dresden Cover.jpg