Beiträge von schorsch-a

    Ich bin ideologisch nicht voreingenommen und benutze digitale und analoge Technik parallel. Analoges Material (z.B.Radiosendungen) nehme ich mit guten Ergebnissen auf meinem iRiver H 300 auf (um's z.B. später auf CD zu brennen).


    Ich stellte aber nun wiederholt fest, daß die Musik runder + besser klingt, wenn ich sie vor dem Digitalisieren auf dem Revox B 77 (19 cm/s) zwischenspeichere. Dies entbehrt nach meinem Verständnis jeglicher Logik, zumal eine Überspielvorgang mehr notwendig ist. Habt Ihr eine Erklärung ?
    Markus

    Drei Beispiele aus vielen:


    Leo Kottke, "June Bug":
    da kannst du als durchschnittlicher Guitarero 30 Jahre üben und schaffst es immer noch nicht. Für mich das absolute Bravourstück für 12saitiges Open tuning Geslide. Kein Wunder, daß sich der gute Leo mit solchem Powerplay die Finger ernst- und dauerhaft ruiniert hat. Beim ersten Hören habe ich auf mindestens 2 Gitarristen getippt. "Juni Bug" ist im folgenden Medley von 1.30 bis 2.50 zu hören:


    http://de.youtube.com/watch?v=lnQTC5ICGik


    und dann nochmal die Highspeed-Tennessee-Chicken-Telecaster von John Jorgenson. Mit einer exzellenten Band, dem höchstmöglichen output an Noten pro Sekunde und der besten für sowas denkbaren Sängerin: Emmylou. Nach Jahren noch Gänsehaut generierend


    http://de.youtube.com/watch?v=uKxE1sDitIA


    und so würde der vom Blues befreite Hendrix heute klingen:


    http://de.youtube.com/watch?v=TerRxq7IyOQ


    und noch ganz lustig : der olle Chaot Vernon Reid mit einem Klassiker:


    http://de.youtube.com/watch?v=mcNtV6alzqg
    Markus

    Jay und Kai ist eine herrlich entspannte, nüchterne, gradlinige Platte (ich nenn sowas "Freitagsmusik"). Impulse ist eines der schönsten - wenn nicht das wichtigste - Label; schon alleine wegen der mittelspäten Träne-Periode. Leider hab ich davon nur Silberlinge. Kriegt man denn impulse-Vinyl zu erschwinglichen Preisen ?
    Markus

    Mal wieder eine Platte, die man durchhören kann. Ich finde, daß sich Stevie hier sehr angenehm von anderen alten Kämpen unterscheidet, die auf ihre alten Tage auch noch ein paar Kröten machen wollen (wie z.B. der ganz okaye Gitarrist auf Titel 4) . Einerseits ist er sich treu geblieben, andererseits hat er seinen Stil weiterentwickelt - ohne spektakuläres Pathos und vor allem unter Verzicht auf das endlose Blues-Gegurgel anderer Retro-Fuzzies.


    Er hat wie eh und je eine hinreißende Stimme und beherrscht die Hammond B3 auf eine nach wie vor gänsehauterzeugende Art perfekt und groovend. Mir würde auf Anhieb kein schwarzer Organist einfallen, der diesem Möbel so viele geile Sounds entnimmt (wobei es sicher virtuosere Spieler gibt).


    Was mich lediglich ein bißchen stört, ist seine in den letzten Jahr(zehnt)en zu verspürende Vorliebe für äußerst klischeehafte pseudospanisch daherkomende Gitarren (hier: Jose Pires de Almeida. Dieser scheußliche, anscheinend erotisch gemeinte Nicht-Fisch-nicht-Fleisch-Sound kann eigentlich nur von einer Godin-Klampfe kommen (?) ). Klingt jedenfalls so, wie sich Lieschen Müller einen spanischen Sonnenuntergang mit Paella und Sangria bis zum Abwinken mit anschließender Strand-Nummer vorstellt.


    Ansonsten beweist er sich einmal mehr als einer der ganz großen (bescheidenen) Pioniere der Rockmusik. Putzig finde ich immer wieder, wie er seit 40 Jahren versucht, stimmlich und instrumental wie Ray Charles zu klingen, obwohl er bereits in den 60ern besser war als das nicht immer ganz geschmackssichere Original.

    wenn schon country, dann aber ordentlich zum Steineerweichen:


    Emmylou Harris: To Daddy
    Dan Tyminski: Dear Mommy
    Kitty Wells:How Far Is Heaven
    Mickey Newbury: Mabel Joy


    und was mancher sich wünscht, wenn er dereinst den Löffel abgibt:


    Steve Earle: The Pilgrim


    Mir scheint, Euch geht's zu gut, wenn Ihr sowas braucht :) . Wer die 4 hintereinander hört, wird das Lachen für immer verlernen.


    Markus

    Hallo,
    die Schalter an meinem B 77 haben ordentliche Kontaktprobleme (insbesondere der Source/Tape). Ich muß meistens ein bißchen "rühren", bis sie ordentlich schalten. Neue Revos-Originalschalter sind teuer. Gibts passende, optisch gleiche Fremdfabrikate ? Oder lassen die sich mit Kontaktspray oder anderen Tricks wieder auf Vordermann bringen ? Die gebrauchten Einzelschalter bei ebay sind mir zu unsicher.
    Markus

    Seitdem fahr ich nass.

    weils die Temperatur niedrig hält, den "spanabhebenden" Effekt mindert, statische Aufladung minimiert, den Staub immer gerechter umverteilt, Platte und Nadel länger leben läßt.


    Meine Befürchtung aber: die Feucht-Trocken-Grenze an der Nadel dürfte aufgrund der dort herrschenden extremen Temperaturunterschiede auf Dauer Bruch- oder Bröselgefahr bergen, oder ?


    Markus
    päschnd wetdriver

    mit googeln komm ich da nicht weiter. Ich krieg von denen die nur 1 x gehörte beste "Johnny B Goode"-Version aller Zeiten seit ca. 30 Jahren nicht aus dem Kopf und werde nirgends fündig. Muß eine Gruppe aus Ex-Jazzern mit einer fetten Schweineorgel gewesen sein. Weiß jemand näheres ?
    Markus

    Er wirkte in seinem Auftreten sehr bescheiden

    so isses. Bei Jazz Ost-West in Nürnberg spielte gerade Lee Konitz. Albert saß vor dem Saal ganz alleine mit geschlossenen Augen.


    Zwar hatte ich meine Nikon mit hochauflösendem Film dabei, mit der ich womöglich beide Künstler draufgebracht hätte; aber ich traute mich einfach nicht wegen der Erhabenheit dieses Augenblicks - und wegen des Auslösegeräuschs.
    Markus
    der sich diese Kombination kaum vorstellen kann: der kühle Mangeldorff mit 2 fast schon funkrockigen Brüdern. Würd ich gern hören.

    Betreffend der Faszination von Kind of Blue sollte man übrigens den Beitrag von Bill Evans keinesfalls vernachlässigen...

    ...um nicht zu sagen, KOB ist eigentlich eine Bill-Evans-Platte - trotz Wynton Kelly. Ist zwar Quatsch angesichts der unerreichten Zusammenarbeit aller Beteiligten, aber ich kenne sonst keine derart evansmäßig entrückte Miles/Trane-Platte.
    Markus

    da bin ich völlig Deiner Meinung, loricraft. Vom Jazz können nur wenige leben, da brauchts schon Kompromisse.


    Nur kann ich mir als Hörer den Luxus leisten, mir immer nur das Beste anzuhören, und wenn mich einer auch nur ein einziges mal mit Kommerzmusik enttäuscht hat, reagiere ich (sicher zu Unrecht) leider übersensibel - das gilt übrigens auch uneingeschränkt für einige ansonsten geniale Klassiker, wie z.B. Rollins, Hubbard etc, die sich in den 70ern bös beim Massenpublikum angebiedert haben.


    Ich weiß, Geschmack ist etwas höchst ungerechtes. Das Können von Sanborn bleibt damit natürlich unbestritten - aber ich hör mir dann halt lieber andere Musiker an - oder den "Angel" von ihm auf der Gil-Evans-Platte, die mir heute noch Gänsehaut macht.
    Markus

    Miles Hinweis auf Gil Evans kann ich nur bestätigen. Ich kenne ihn aus dieser Besetzung als interessanten Musiker - mein Favorit ist die Gil Evans Platte mit Hendrix-Musik.


    Danach spielt Sanborn eigentlich so wie jeder Feld-Wald- und Wiesensopranist (und Altist), der nicht genug Kohle kriegen kann. Kenny G. finde ich klingt ähnlich, halt wie Musik für den Vorabendkrimi oder die Schmuseszene aus "Verbotene Liebe"
    Markus

    Ein schmaler Streifen Tesa hilft da sehr effektiv und ohne Nebenwirkungen.

    ich habe jetzt mal bei einem Versender um Empfehlung gebeten, der alle genannten Nadeln im Programm hat. Der hat mir gesagt, daß allein die ortofon D 200 E-Nadel (zu 98.-- EUR) auf den Tonarm TPO 63 passen würde. Ich verstehe das zunächst mal so, daß ich in dem Falle auf den (nun wirklich nicht so kostspieligen) Tesastreifen verzichten könnte.


    Aber meint Ihr, daß die von Euch oben empfohlenen Nadeln OM 20 bis 40 besser sind als das D 200 E ? Ja , ich weiß, alles subjektiv, aber mich interessiert Eure Meinung. Und ist die Tesafilmkombination nicht insgesamt etwas wackliger und bewirkt womöglich Verzerrungen ?


    Nur damit wir nicht aneinander vorbeireden hab ich ein Foto meines jetzigen Tonarms mit der "Budget"nadel angehängt:


    [Blockierte Grafik: http://foto.arcor-online.net/palb/alben/36/4744936/400_6363386566313637.jpg]


    Markus

    Dann mal zu "Crescent" in der Besetzung des zweiten klassischen Quartetts (Tyner, Garrison, Elvin Jones).


    Davon gefällt mir das Titelstück mit seinen klaren Strukturen am besten. Balladesk, durchaus swingend, mit einem höchst konzentrierten Coltrane, der ohne Pause durchspielt und ein paar seiner unnachahmlichen Beschleuniger spielt, mit denen er ab und zu gegen den konstanten Beat aufbegehrt.


    Lyrischer das "Wise One" mit einem zurückhaltenden Trane und einem Tyner, der quasi mit Begleitakkorden "soliert".


    Als starker Kontrast dazwischen der kurze und schmerzlose konventionelle "Bessies Blues", auf dem sich Tyner putzig, aber vergeblich bemüht, seine komplexen Akkordstrukturen auf das Bluesschema zu reduzieren.


    Wunderschön entspannt das "Lonnie's Lament" mit einem trocken ausgebremsten Solo von Garrison (werden Bässe heute überhaupt besser aufgenommen, als das vor über 40 Jahren Rudy van Gelder tat ?) und schließlich das "Drum Thing" von Elvin Jones mit nervig pulsendem Atmen der Basstrommeln, ohne vordergründige Mätzchen mitten aus der Seele geklopft,


    "Crescent" ist als vergleichsweise spätes Album (1964) noch sehr "traditionell" gehalten, arbeitet für seine Zeit mit (bezogen auf Coltrane) vergleichsweise klaren überschaubaren Strukturen und verzichtet noch völlig auf Free-Elemente, Hymnen und spirituelle Ausbrüche. Die Grundstimmung ist eher sachlich-meditativ als emotional ungestüm.


    Innerhalb des Coltrane-Werkes gehört die Platte zu den abwechslungsreichsten Alben überhaupt - fast schon ein frühes "Konzeptalbum". Ein außerirdisches Meisterwerk - zum Reinlegen.


    Markus