Posts by jhr

    In dem Thread zur Abmischung von Platten hatte ich in Beitrag #27 diese 4 Klassik-LPs für einen Hörvergleich für den Übergang von Mono, über frühe 3-Mikrophon Stereo zu 3-Mikrophon Decca-Baum plus Stützmikrophone vorgeschlagen (Details zu den Aufnahmen unten). Musikalisch passen die Platten gut in den Klassik-Thread.


    Viele Grüße


    Joachim


    m-to-s1.jpg




    Links oben: Violinkonzerte mit Ferras, 1954 in Genf aufgenommen -- Toningenieur Gil Went (Mono). Decca LXT 5044. Pressung von 1955, nicht RIAA verzerrt. Räumlicher Eindruck: mittlere bis hintere Sitzreihe im Konzertsaal.


    Rechts oben: dieselbe Aufnahme in frühem Stereo -- Toningenieur Roy Wallace (3 M50 Mikrophone, eine der frühesten Decca Stereo-Aufnahmen). Decca ECS 697 (erst 1973 als Stereo-LP erschienen). Räumlicher Eindruck: einige Sitzreihen weiter vorne, aber näher an der Mono-Aufnahme als an den späteren Stereo-Aufnahmen.


    Links unten: Violinkonzert von Bruch mit Ricci, 1957 in der Kingsway Hall aufgenommen (3 KM56 Mikrophone mit breiterer Stereobasis). Decca SXL 2006.


    Rechts unten: Violinkonzert von Hindemith mit Oistrach, 1962 in der Kingsway Hall aufgenommen (mehr als 3 Mikrophone, Oistrach nahe mikrophoniert). Decca SXL 6035.

    Das um 5 zusätzliche Musiker erweiterte Yosuke Yamashita Trio in einer Aufnahme von 1978 (auf dem japanischen Label Frasco FS-7025).


    Viele Grüße


    Joachim


    sunayama.jpg



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    Dieser Thread ist ein schönes Beispiel, wie am Anfang Fragen aufgeworfen werden, die dann komplett versandeln. Da wird ein Höreindruck zum Hauptthema, auch von anderen bestätigt. Wenn jemand aber ein Beispiel postet, an dem man diesen Höreindruck überhaupt nicht nachvollziehen kann, dann kommt nichts.



    OK -- ich zitiere Beitrag #1:


    "Hi,

    bei meinen Boxen Bauer LS 3.0g ist es so, dass die Musik auf einer Ebene hinter den Boxen spielt. Es sei denn, ein Instrument ist 100% auf einen Kanal gemischt. Dann kommt es aus den Chassis vorne am Lautsprecher.


    Das macht derart abgemischte Platten für mich etwas weniger attraktiv anzuhören.

    Oft sind auch Blue Notes etc. so abgemischt. Z.B. Real McCoy - McCoy Tyner


    Fällt das bei euch mit anderen Boxen weniger auf? Falls doch, stört es euch?"


    Zitat-Ende

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    Meine Zustimmung -- auch ich finde Jazz Stereo-Pressungen, die so abgemischt sind, dass ein einzelnes Instrument an einem Lautsprecher klebt, weniger attraktiv als eine Stereo-Aufnahme sind bei der mit einem sparsamen Einsatz von Mikrophonen (2 oder 3) ein Jazz-Ensemble räumlich realistisch als Gruppe aufgenommen wurde.


    Es scheint aber auch klar, dass hinterher durch die Abmischung kein natürlicher Stereo-Klang erzeugt werden kann, wenn bei der Aufnahme nicht so vorgegangen wurde. Zu den Blue Note Aufnahmen findet man Informationen in dem Link in Beitrag #19. Bei nicht-Pseudostereo BN (ab ca. 1958 aufgenommen) kann ich mit Stereo-Pressungen bei denen manche Instrumente aus einem Lautsprecher kommen leben, wenn sie dafür tonal und von der Dynamik stimmig klingen. Mono-Pressungen sind mir in diesen Fällen aber lieber, wenn ich sie bekommen und mir leisten kann.


    Bei der "The real McCoy" habe ich nur den King Record Reissue GXF 3008 von 1977, glaube aber gerne der Einschätzung von Jörg in Beitrag #12, dass die Liberty Stereo-Pressung BST 84264 von 1967 gut klingt. Ein Hörvergleich mit der Mono-LP BLP 4264 wäre auch interessant.


    Viele Grüße


    Joachim

    Ein nützlicher Artikel über Mono und die Anfänge von Stereo bei Decca stammt von M.H. Gray: "The birth of Decca stereo", ARSC Journal, Vol. 18, No. 1, pp. 4-19, 1986. Dort lese ich gerade, dass -- im Gegensatz zu meiner Behauptung in #27 -- im ersten Stereo Set-up 3 Neumann K49 ohne Trennwände verwendet wurden (im Mai 1954 in Genf).


    Hier 3 Fotos aus dem Netz: 1) ein früher Baum mit M50 und Trennwänden und kleinem Mikrophonabstand, 2) ein offener Baum mit KM56 und 3) ein Baum aus den 1970ern mit vielen zusätzlichen Stützmikrophonen.


    -- Joachim


    M50-Baum.jpgKM56-Baum.jpgstütz-mik.jpg

    So ist das.

    Und woher kommt das, war die ernsthafte Frage.

    Woher kommt die Tiefenstaffelung bei monauralen Orchesteraufnahmen? Das hängt vermutlich von der Position des Mikrophons im Aufnahmeraum ab -- vielleicht zeichnet das Mikrophon leichte Zeitverzögerungen zwischen z.B. den weiter vorne positionierten Violinen und den hinten positionierten Kontrabässen auf.


    Bei der Entwicklung von Mono-, über frühe Stereo- zu Stereo-Aufnahmen der 1960er Jahre am Beispiel Decca kann man eine zunehmende rechts-links Spreizung feststellen. Bei den frühen Stereo-Aufnahmen (Bsp. 2) hat Decca 3 Neumann M50 Mikrophone, durch Trennflächen getrennt, in einem kleinen Abstand (25 bis 30 cm) verwendet. Etwas später war der Decca-Baum offen und hat 3 Neumann KM56 in einem Abstand von ca. 150 cm verwendet (Bsp. 3). In den 1960er Jahren kamen dann zusätzliche Stützmikrophone hinzu (Bsp. 4).


    Bsp. 1: Violinkonzerte mit Ferras, 1954 in Genf aufgenommen -- Toningenieur Gil Went (Mono). Decca LXT 5044.


    Bsp. 2: dieselbe Aufnahme in frühem Stereo -- Toningenieur Roy Wallace (3 M50 Mikrophone). Decca ECS 697 (erst 1973 als Stereo-LP erschienen).


    Bsp. 3: Violinkonzert von Bruch mit Ricci, 1957 in der Kingsway Hall aufgenommen (3 KM56 Mikrophone mit breiterer Stereobasis). Decca SXL 2006.


    Bsp. 4: Violinkonzert von Hindemith mit Oistrach, 1962 in der Kingsway Hall aufgenommen (mehr als 3 Mikrophone, Oistrach nahe mikrophoniert). Decca SXL 6035.


    Viele Grüße


    Joachim

    Gute historische Mono-Aufnahmen von Orchestermusik haben eine realistische Tiefenstaffelung und für mich entsteht der Eindruck, dass ich das Klanggeschehen von einer mittleren bis hinteren Sitzreihe im Konzertsaal verfolge. Kammermusik und speziell natürlich Solo-Klaviermusik oder Solo-Violin-Sonaten sind auf Mono-LPs natürlich noch unkritischer als Orchester-Aufnahmen.


    -- Joachim

    Ich habe den SC Reissue und eine englische Narrowband SXL 6355 mit dem JT Taxcode (verwendet von 23.11.1968 bis 31.3.1973). Im Vergleich zur englischen Pressung ist der SC Reissue im Bass aufgedickt und in den leiseren Passagen fehlen die feinen Details und die Frische. Französische SXL habe ich nur 1 oder 2 Exemplare, die aber ziemlich gut klingen.


    Decca hatte in den 1950er und frühen 1960er Jahren eine Kooperation mit der spanischen Columbia -- dabei hat Decca Aufnahmetechnik zu Verfügung gestellt und auch Pressmatrizen geliefert. Es gibt zwar eine spanische SXL 6355 von 1968, aber 1968 war die Kooperation bereits beendet.


    Viele Grüße


    Joachim


    e-sxl6355.jpg

    Hallo Tom,


    die ganz frühen Decca-Lyrita (bis 1966?) sind an dem "groove in label" zu erkennen -- danach gibt es aber (bis 1975-6?) Decca-Lyrita ohne diese Rille im Label. Aber alle von Decca gepressten Lyrita erkennt man am einfachsten an den eingestanzten Symbolen im Bereich der Auslaufrillen (auch der Decca BUCKINGHAM-Code wird, wie bei den Decca SXL, verwendet).


    Nach Decca hat Nimbus die Lyrita gepresst -- zu erkennen an einem in Maschinenschrift gestanzten Nimbus im Bereich der Auslaufrillen. Die EMI Pressungen der Lyrita erkennt man nach dem Ausschlussprinzip (d.h., keine Decca oder Nimbus ==> EMI).


    Deine beiden Fotos mit den grünen Labels (Mono-LPs) zeigen Decca Pressungen -- eine frühe mit der Rille im Label und eine spätere. Richtig, Stereo-Lyrita haben blaue Label. (Zumindest kenne ich keine Ausnahmen zu der grün=Mono / blau=Stereo Regel ...).


    Viele Grüße


    Joachim

    Hallo,


    hier meine Erfahrungen zu diesem Thema. Generell mag ich Mono-Pressungen von historischen Aufnahmen aus der Zeit 1952 bis 1965, auch in dem Fall, dass Stereobänder vorhanden waren.


    Bis auf wenige Ausnahmen finde ich bei Stereo-Aufnahmen aus den 1950er Jahren (so viel ich weiss, wurde ab ca. 1953-4 schon teilweise in Stereo aufgenommen, aber erst ab 1957-8 in Stereo gepresst) nur die Aufnahmen im Klassikbereich akustisch gelungen. Dort hat man sich behutsam von Mono an Stereo herangetastet -- d.h., die frühen Klassik Stereoaufnahmen sind sparsam mikrophoniert (mit nur 2 oder 3 Mikrophonen, weit entfernt von einzelnen Instrumenten, um eine Instrumentengruppe als ganzes zu erfassen). Frühe Stereo-Aufnahmen haben oft etwas Mono-artiges -- bei Mono-Aufnahmen hört man ein Orchester von den hinteren Reihen im Orchestersaal, bei frühen Stereo-Aufnahmen (vor 1957 aufgenommen) rückt man lediglich ein paar Sitzreihen vor. Ab den 1960er Jahren werden häufig mehr Stützmikrophone verwendet und das Ganze ist mehr auf Klang-Spektakel ausgerichtet: oft wird ja dann auch mit dem Breitband-Klang geworben. Bei meinen Stereoplatten z.B. von Mercury sitzt man akustisch oft mitten im Orchester auf der Bühne (oder zumindest in der 1. Sitzreihe) -- spektakulär, aber etwas unnatürlich ...


    Bei Jazz-Aufnahmen (vor allem bei Blue Note) sind mir sogar bis 1965-6 die Mono-Pressungen lieber -- z.B. bei den Wayne Shorter Aufnahmen wie

    Speak no evil oder JuJu, obwohl die Mono-Pressungen aus Stereobändern angefertigt wurden ...


    Viele Grüße


    Joachim

    Gruß

    Frank


    Joachim: Interessant, was du schreibst. Ich habe viele Einspielungen englischer Komponisten des späten 19. und frühen 20. Jh. Hier ist auch das Label Lyrita zu nennen, dass sich dieser Musik verpflichtet fühlt. Die Platten sind allesamt von sehr guter Klangqualität. Sir Adrian Boult hat sich bei Erhalt und Pflege der Kompositionen einen Namen gemacht. Vielleicht ist er daher auch geadelt worden. Es spricht für Dirigenten, wenn sie nicht nur die

    ganz Großen der Musikgeschichte einspielen, sondern sich auch wenig bekannter Musik ihres Landes widmen. Warlock, Butterworth, Delius ... sind allgemein eher unbekannte Namen. Sie und ihre Musik werden umso interessanter, wenn man weiß, welche Schicksale sich zum Teil dahinter verbergen.

    Hallo Frank,


    stimmt, es gibt viele Parallelen zwischen dem Argo und dem Lyrita Label. Beide waren Kleinlabel, welche ursprünglich auf britische Komponisten und Interpreten spezialisiert waren.


    Argo wurde 1951 von H.J. Usill und C. Clarke gegründet und wurde 1957 von der Decca übernommen.


    Lyrita wurde von R. Itter 1958 gegründet (als 1-Mann-Betrieb), die Aufnahmetechnik hat er von Decca gemietet und hat in der Anfangsphase auch im Presswerk der Decca die Platten herstellen lassen (später hat Lyrita auch bei Nimbus und EMI pressen lassen). Lyrita war aber unabhängig von der Decca (wurde nicht aufgekauft).


    Dann gibt es noch das ursprünglich französische Label L'Oiseau Lyre der Australierin Louise Hanson-Dyer, mit Schwerpunt Barockmusik, das 1948 gegründet wurde und auch Decca-Aufnahme- und Press-Technik verwendet hat -- und 1970 von der Decca übernommen wurde.


    Viele Grüße


    Joachim


    PS: hier frühe Decca-Stereo-Pressungen der 3 Labels


    zrg5372.jpgsrcs33.jpgsol60048.jpg

    Bis auf die frühen Pressungen der Rossini Sonaten (Argo ZRG 506 von 1967) sind die englischen Argo-Pressungen in der Regel günstig -- die obige Argo ZRG 670 kostet im NM Zustand ca. 5 Pfund.


    Die englischen Argo sind Decca Pressungen und wurden von Tonmeistern der Decca aufgenommen. Die Label mit "Argo" im Oval entsprechen zeitlich den wideband Decca SXL, die späteren mit "Argo" in einem Rechteck entsprechen den narrowband SXL. (Siehe Beispiele unten).


    Viele Grüße


    Joachim


    4s2.jpgzrg792-2.jpg

    Diese RCA von 1960 enthält Kammermusik für Cello und Klavier mit Gregor Piatigorsky und Lukas Foss (1922 geboren als Lukas Fuchs in Berlin).


    Die "Suite Italienne" von Igor Stravinsky auf Seite 1 von LM 2293 (es gibt auch eine Stereo-Pressung LSC 2293) besteht aus Tänzen aus seinem Ballett "Pulcinella" und ist eine Zusammenarbeit mit Gregor Piatigorsky.


    In der Suite Italienne (und auch in Pulcinella) bezieht sich Stravinsky auf Triosonaten von Domenico Gallo, obwohl er Pergolesi für den Komponisten dieser Triosonaten hielt (ursprünglich wurden die Triosonaten von Gallo fälschlicherweise unter dem Namen von Pergolesi herausgegeben).


    Viele Grüße


    Joachim


    lm2293.jpg

    Marcelle Meyer plays Beethoven Emperor Concerto (1956 broadcast)


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