Beiträge von Peter Ruhrberg

    Eben drum meine Anfrage hier im Forum des Vereins zur Erhaltung und Förderung der analogen Musikaufnahme und -wiedergabe.

    Wenn klassische Musikproduktionsmittel (die immerhin bis zu einer schlappen halben Tonne wiegen können) bei Mitgliedern der AAA auftauchen würden, die weitgehend der Konsumentenseite angehören, fände ich das schon bemerkenswert, erwarten würde ich es allerdings nicht.

    Vielleicht verspricht eine Anfrage z.B. beim "Tonstudio Club" (Facebook) mehr Erfolg?

    In den Tonkopf-Datenblättern von Telefunken findet sich für die Lebensdauer der frühen Vacodurköpfe durchweg die Angabe "20.000 km mit FR-Band".
    Agfa FR gehört zu den klassischen Schmirgelpapierbandtypen, bei glatten Schichtoberflächen sind entsprechend höhere Standzeiten zu erwarten.

    Ich habe noch nie einen professionellen Telefunken Aufnahme- oder Wiedergabekopf gesehen, der komplett abgeschliffen war.

    Der Zähler der M15A ist an den Tonmotor gekoppelt. Wenn Maschinen viel auf Bereitschaft standen, kann ihr erster Tonkopfsatz kaum benutzt aussehen, selbst wenn sie >40.000 Stunden auf der Uhr haben.

    Hab selber ein Dutzend M15A Kopfträger, so dramatisch sehen die Köpfe auf den Bildern eigentlich nicht aus, vor allem der WK nicht (jedenfalls soweit ich das erkennen kann). Wenn allerdings bei 19 cm/s kein Frequenzgang innerhalb der Spezifikation erreichbar ist, würde ich nochmal genauer hinschauen. Die Umschlingung von AK und LK scheint nicht zu stimmen, die Spalte liegen nicht in der Mitte des Abschliffs.

    Bei Bandtypen mit glatter Schichtoberfläche halten Vacodurköpfe extrem lange, und der Löschkopf sieht schlimmer aus als er ist: die rauhe Ferritoberfläche beeinträchtigt seine Funktion kaum.

    Die ersten Abweichungen waren mir vor fünf Jahren aufgefallen, kurz nach meinem Wiedereinstieg in die Analogtechnik nach 20 Jahren Pause.

    Wir haben durchaus über Themen gesprochen, die nicht in den Prospekten und Datenblättern stehen. Allerdings hätte ich allen einen schlechten Gefallen getan, wenn ich schonungslos vor versammelter Chefetage meine Kenntnisse damaliger Qualitätsschwankungen und teils massiver Reklamationen enthüllt hätte.

    Die Botschaft kam aber auch so an, zumindest sind seitdem die messtechnischen Streuungen deutlich zurückgegangen. Wenn sich das weiter so entwickelt, wird vielleicht in absehbarer Zeit sogar der Emtec-Stand von 2003/4 wieder erreicht :-)

    Haben diese Gespräche stattgefunden, nachdem Du Abweichungen bei den Bändern gemessen hattest?

    Ich habe nicht nach Verkaufszahlen gefragt, die Gespräche dort waren rein technischer Natur. Wir haben uns beispielsweise lange über Messgeräte und -verfahren zusammengesetzt, welche entscheidend dazu beitragen können, die Qualitätsprüfung zu verbessern und zu beschleunigen.

    Aus verschiedenen Randbemerkungen hatte ich aber den Eindruck, dass der Magnetbandmarkt sich seit 2...3 Jahren extrem dynamisch entwickelt, im professionellen Sektor besonders beim Hauptabnehmer USA, wo die Verkaufzahlen quasi explodierten, sodass 2019 die Produktionskapazität zeitweise überfordert war.

    Kannst Du Angaben darüber machen, wie groß der Profi- Bandbereich prozentual am Gesamtverkauf noch ist? ... Könnte mir vorstellen, dass der große Vekraufsbrocken die Amateurbänder sind.

    Das kann ich aus meiner Erfahrung mit dem Personal dort nicht bestätigen. Zumindest in der Chefetage (sprich Mulann-Firmeninhaber, Geschäftsführer, Vertriebsleiter, Leitung Qualitätskontrolle) ist weit und breit niemand, der sich eine goldene Nase verdient.

    Natürlich ist Mulann nicht die Heilsarmee, doch hHauptsächlich ist man damit befasst, den Betrieb mitsamt Fachpersonal am Laufen zu halten, Forschung zu finanzieren, Nachwuchs auszubilden etc.

    Da sämtliche Ausgangsmaterialien (Pigmente, Bindemittel, Folien) nach Mulann-Spezifikationen extern hergestellt werden und die Abnahmemengen nicht gerade überbordend sind, machen sich allfällige Preissteigerungen auf dem Markt ungeschmälert im Produkt bemerkbar.

    Die Firma geht an die Schmerzgrenze und lotet aus, was der Markt hergibt.

    Dann wäre die Frage, für welche Geschwindigkeit.

    Die erste Version war ausschließlich für 76 cm/s vorgesehen, mit der damals (1951) üblichen Entzerrung von 35 µs.

    Zwei Nachfolgeversionen (Betriebseinführung 1956) hießen V 67u (für 76 und 38) und V 67/38. Eine Ausführung für 19 cm/s wurde nicht hergestellt.

    Die SP von V 67 und V 67/38 zum direkten Vergleich:

    [Blockierte Grafik: https://i.postimg.cc/1tKhLmTt/V67.jpg]


    [Blockierte Grafik: https://i.postimg.cc/RhV59r5T/V67-38.jpg]

    Daß die Übertragerdaten fehlen.....ist schlecht.
    Ich würde mit den Trimmern mal spielen (den alten Zustand fixieren).

    Aus der Braunbuchbeschreibung zum V67:

    "Die geforderte Entzerrung des Frequenzganges wird durch frequenzabhängige Gegenkopplungen im Zusammenwirken mit dem Hörkopf in der Eingangsstufe erzeugt."

    "Die erforderliche Höhen- und Tiefenentzerrung wird mit Hilfe des Trimmers Pos. 18, des Potentiometers Pos. 42 und des Drehkondensators Pos. 16 durchgeführt. Hierbei regelt der Trimmer den Einsatz der Höhenentzerrung, das Potentiometer den Frequenzgang oberhalb 10.000 Hz, und der Drehkondensator dient zum Tiefenabgleich."

    in meinem Falle empfahl man mir den Biasstrom zu veringern, um die minimal glattere Oberfläche und damit verbundene Verschiebung der Vormagnetisierungstiefe zu kompensieren.

    RTM wiederum hat sich gestern mit deinem Anliegen an mich gerichtet und mir heute auf meinen Wunsch auch das Foto von deinem Kopfträger zugeschickt. Erst jetzt sehe ich zufällig deine Anfrage hier im Forum.

    Ich habe ihnen heute Abend geantwortet, dass ich mit einem Aufnahmekopf deines Typs (AC 26, ein Ferritkopf mit 12 µm effektiver Spaltbreite) und RTM SM 900 folgende Overbias-Werte für 10 kHz (ΔS10) als optimal ermittelt habe:
    -2dB @ 38 cm/s

    -5 dB @ 19 cm/s
    Diese Werte weichen geringfügig von den Herstellerangaben ab, die für kleinere Spaltbreiten (etwa 8 µm) gelten.

    Vermutlich werden sie morgen diese Angaben an dich weiterleiten (von unserer Verbindung hier müssen sie nicht unbedingt etwas erfahren 8)).

    Entsprechendes Bandmaterial von RMGI oder EMTEC zum Vergleich besitze ich leider nicht.

    Jetzt denke ich mir, je mehr Spuren, umsoweiter senke ich am Mischpult doch die einzelne ab und senke somit auch das Bandrauschen, oder?


    Bei einer Mehrspuraufnahme addieren sich die Signale nicht zum gleichen Pegel auf wie das Rauschen. Mit anderen Worten, eine 24Spur Aufnahme wird - abhängig vom Programmmaterial - vielleicht um 8 dB "lauter" sein, rauscht aber rechnerisch um 15 dB mehr.

    Danke Rainer!

    Hatte noch vergessen zu erwähnen, dass - dank digitaler Messtechnik - ich mit den beiden Bildschirmen 1 dB auf max. fast 1 Meter Breite darstellen kann, was eine Genauigkeit von Messungen erlaubt, die für Analogtechnik eigentlich nur als gnadenlos bezeichnet werden kann. Sehr nützlich bei der Herstellung von Messbändern für Pegel und Frequenzgang :thumbup:

    Der Azimut kann bei mir mit ca. 1 Winkelsekunde Toleranz aufgezeichnet werden. Genauer wird man's mit der Analogtechnik nicht hinbekommen 8)