Posts by schwob-50

    Sorry, aber das mit dem 'Paradoxon' bzw. 'Betrug' kann ich gar nicht nachvollziehen.


    M- heißt per definitionem, dass es sich um eine neuwertige Platte ohne optische oder akustische Beeinträchtigungen handelt, die aber gebraucht ist.
    Vg++ bedeutet, dass ganz geringfügige Einschränkungen vorhanden sind. Eine solche Feinabstufung macht für mich schon Sinn.


    Im übrigen möchte ich hier mal die für alle analog Hochsensiblen sicherlich ketzerische Frage stellen, ob es eine Japan oder MFSL wirklich immer wert sind, dass man für sie das doppelte oder dreifache auf den Tisch legt.


    Bevor wir aber thematisch ins Abseits rutschen, zurück zu Genesis.


    Elmar

    Ich lerne in diesem Forum wirklich gerne. Hier sprechen oft kompetente Leute, die wirklich was von Musik zu verstehen scheinen.


    Trotzdem: Ich finde, es ist Zeit, wieder ein bisschen runterzukommen und sich zu erden. Manche Äußerungen hier haben was vom Kulturteil der Frankfurter Allgemeinen.
    Ich kann kein Instrument spielen und sehe FZ vom Standpunkt des Rockfans aus. Ist doch vielleicht gar nicht so schlecht? Schließlich war das Rock-Idiom doch der Ausgangspunkt seines Tuns. Gut, dass er dass Genre dabei immer wieder überschritten, erweitert und auch karikiert hat - das macht ihn ja so spannend.


    Dennoch gab (und gibt) er mir auch immer wieder und immer noch Rätsel auf.


    Die ganze Doo-Wop-Geschichte: Kann mir jemand hierzu mal die vielzitierte "Conceptual Continuity" erklären? Ich habe mit "Ruben" bis heute keine Freundschaft schließen können. Nach drei Titeln nehme ich den Schmalz runter.


    Das Dirigieren: Wirkt auf mich immer lustig bis zum Teil nervend. Der (mögliche) Hintergrund wurde hier ja schon erläutert. Mir haben professionelle Musiker aber mal erklärt, dass das Dirigieren generell bei einem Berufsorchester eigentlich unnötig und eher teil der Selbstdarstellung des Dirigenten sei.
    Kann ich nicht beurteilen; war vielleicht auch nur provokant.


    Synklavier: Zu allem Klugen, was oben gesagt wurde, kann ich nicht Stellung nehmen. Als Hörer finde ich, das Teil klingt mittlerweile angestaubt.
    Mag mal revolutionär gewesen sein, und selbstverständlich müssen wir uns im Zeitalter elektronischer Klänge vor unfairem Anachronismus hüten.
    Aber es erinnert mich immer an die Verwendung des Mellotrons in den späten 60ern. War mal was ganz Neues, verbrauchte sich dann aber schnell.


    Wenn ich z.B. die "Meets the Mothers of Prevention" höre (European Version), bin ich froh, dass es einen Johnny Guitar Watson gibt. Ich weiß nicht, ob Zappa das Stück nur als 'Filler' und Verlegenheitslösung für die European Version reingenommen hat, aber "I don't even care" ist in seiner kraftvollen Monotonie und mit Watsons leicht bekloppten Vocals einfach toll. Meistens nehm ich danach noch ein zwei Stücke mit Synklavier-Avantgarde-Geklimper mit; dann reicht es aber auch.


    Aber es spricht eben auch für Zappa, dass er das Stück mit Watson überhaupt gemacht hat!


    Ich finde, wer Zappa hört, braucht gar keine andere Rock-Musik. Jeder kann sich bedienen: Konventioneles, Progressives, Avantgardistisches und ja, wer's braucht: Doo Wop.
    Und Humor hat er auch noch gehabt.

    appaz : Gegen Hardcore FZ-Fans kommst du halt nicht an. Denen ist alles heilig, was der Meister macht.


    FriDin : Mea MaximA (!) culpa! (Ich hab großes Latinum). Ansonsten brauch ich dir ja nicht zu sagen, wie sehr ich deine Zappa-Kenntnis schätze...


    Elmar

    Markus, worauf bezieht sich denn jetzt der 'Sarkasmus'? Auf die gesprochenen Teile? Oder was? Und welchem 'Zyklus' soll er sich zughörig gefühlt haben?


    Wir unterstellen FZ hier vielleicht ein bisschen zu viel kritisches Bewusstsein. Das war doch z.T. nun wirklich nicht kalkuliert, das Gelaber. Das kam live so raus, und er meinte, es auf Platte mit drauf haben zu müssen. War wahrscheinlich auch ganz okay, wenn man das innerhalb einer Live-Show sah. Ich hatte nie das Vergnügen, und auf Platte langweilt er mich damit eben oft. Das hat doch gar nichts damit zu tun, dass ich ihn als Musiker nicht schätze.
    Schwächen muss man trotzdem auch bei ihm konstatieren dürfen. Und Arroganz auch. Machte ihn nicht sympathisch, aber er bleibt deswegen trotzdem ein kompetenter Musiker.

    Bedanke mich für den Hinweis, dass ich zu blöde für den Meister bin.


    Es geht aber weniger um die 'Preambles' (die hinnehmbar sind, wenn zumindest für mich auch nicht unbedingt das 'Salz in der Suppe' - hier wird auch ein bisschen Doppel-LP-Zeit geschunden), sondern um Tracks wie z.B. 'Dummy Up'. Ich versteh als Englischlehrer ganz gut, worum es da geht, kann den High-School-Diploma-Smoke etc. aber eben nur bedingt witzig finden. Musik wäre mir lieber (gilt Gequatschemäßig auch für andere Zappa-Platten; ich bleibe dabei). Wenigstens ist der Bass bei diesem Sprechstück gut.


    Ich finde nicht, dass man permanent vor Ehrfurcht erstarren muss bei FZ. Da gibt es schon Qualitätsschwankungen (ich habe fast alle offiziellen und eine Reihe weiterer Veröffentlichungen). Und die Sprechteile sind z.T. einfach selbstgefällig.

    "Roxy" ist wirklich eine gute Live-Platte. Ich bin nicht so puristisch, dass ich danach frage, was bearbeitet ist und was nicht.


    Ich wüsste allerdings von den anderen Zappanern hier wirklich gerne mal, was sie von den Sprech(an)teilen auf Zappas Platten halten. Auch auf der 'Roxy' wird ja gelabert. Und die Sprechanteile sind nunmal - auf den verschiedensten Werken - nicht immer und unbedingt mein Ding. So sehr sie integrativer Teil des Zappaschen Werkes sein mögen. Die Quatscherei hat manchmal was regelrecht Arrogantes (etwa: "Wenn ihr Musik vom Meister wollt, müsst ihr auch mal warten"). Ich mag (auch gesprochenen) FZ-Humor. Aber durchaus nicht immer.

    Ich hab das mit der "Conceptual Continuity" nie verstanden. Das hätte er vielleicht gerne gehabt.


    Ein Album wie "Cruising with Ruben and the Jets" ins Gesamtwerk einzuordnen - mir gelingt das jedenfalls nicht. Da hat er halt zwischendurch mal seinem Doo-Wop-Hobby gefrönt. Ich habe es da stehen, es rangiert in meiner FZ-Rangliste aber unter den Top drei von unten.

    Was Alben betrifft, bin ich besonders stolz auf meine "Beat the Boots" Box. Ein Gesamtkunstwerk: Wenn man die Box öffnet, entsteht soeine Art Papiertheater mit Popup-Figuren. Außerdem ist ein T-Shirt drin und ein Sticker.


    Das interessante an den 11 LPs ist, dass Zappa wohl existierende Boots aufgekauft und dann für sich verwendet hat. Genial - hat aber auch nicht richtig was genützt. Was Boot-mäßig so rumschwirrt, ist ja völlig undurchschaubar und treibt Sammler mit Komplettheits-Ansprüchenin den Wahnsinn.


    Ganz tolle posthume Veröffentlichungen (Tonqualität ist ja bei so einigen Zappa-Boots sehr fragwürdig) sind für mich die 3er LPs "Buffalo" (1980) und "Philly 76". Sind als ltd. ed. aber nicht so einfach zu kriegen bzw. haben ihren Preis.


    Gruß,
    Elmar

    Was Zappa-Songs betrifft, ist mir "Dirty Love" vom Album "Overnite Sensation" besonders lieb und teuer.
    Und zwar weil es musikalisch gerade k e i n "typischer" Zappa ist. Nichts Schräges, ein eher konventioneller, durchkomponierter Dreiminuten-Rocksong. Sehr eingängig, mit einem schönen Gitarrensolo.


    Was hier zählt, ist der Text und die Art, wie er gesungen wird. Ein großartiges Beispiel von Zappa-Humor. Ich muss immer wieder lachen, wenn ich ihn nach längerer Abstinenz wieder höre. Der Meister erzählt hier, welche Art von Liebe er sich wünscht, und reimt in genialer Weise "Aroma" auf "Diploma" und schließlich "Koma". Zum Schreien komisch.


    Wobei mich Zappas Humor mitunter eher befremdet. Natürlich sind die Schlüpfrigkeit und das Zielen unter die Gürtellinie bewusst eingesetzte Mittel. Bei "Dirty Love" funktioniert die Satire - bei anderen Songs nicht.


    Besonders wenn er viel quatscht, geht mir Frank mitunter auf die Nerven. Ein Beispiel ist 'Lumpy Gravy'. Musik ist hochinteressant, der Bruch durch das eingestreute Gelaber für mich aber doch schwer erträglich. Ich will allerdings zugeben, dass ich die gesprochenen Elemente nicht recht in den entsprechenden Kontext einordnen kann, so dass mir die Funktion verschlossen bleibt.

    Ich finde es nicht in Ornung, wie hier Houston-kritische Stimmen einfach weggebügelt werden. Ist der Thread dazu da, diese Frau hochzujubeln, weil sie tot ist? Da bin ich lieber respekt- und pietätlos.


    Whitney Houston war für mich eine jener unangenehmen Erscheinungen der amerikanischen Glitzerwelt, die sich permanent selber feiert und ihren Starrummel der gesamten Welt kontinuierlich als Ultra-Ereignis verkauft. Man schaue sich doch mal diese kollektive Betroffenheit bei der Grammy-Verleihung an. Für mich eher peinlich, aber es galt, der Welt zu demonstrieren, wie traurig man ist (bevor man dann zum preisverleihenden Tagesgeschäft übergeht).


    Da helfen auch keine drei Oktaven.

    Hallo,


    habe am 25.1. in einem Hotel in Mettmann (bei Düsseldorf) Mick Taylor gesehen. Der Ex-Stones-Gitarrist spielte mit der Ben-Waters-Boogieband.
    Nach sichtbar holprigem Beginn lief Taylor zu Form auf und spielte dann gut, vor allem seine sensible Slide.


    Mich würde mal interessieren, wie ihr Taylors Arbeit und Karriere einschätzt.


    FÜr mich sein Highlight: 'Stop Breaking Down', auf der 'Exile On Main Street'. (Seine Solo-LP von später finde ich eher schwach)


    Fantastisch übrigens Boogie-Pianist Ben Waters. Boogie-Fans sollten ihn unbedingt mal auf youtube anschauen.


    Gruß,
    Elmar

    Jeff Beck und Jan Hammer live.


    Ich höre diese LP in unregelmäßigen Abständen immer wieder und kriege sie nicht über. Besonders die 2. Seite überzeugt. Becks Gitarrenstil ist großartig und kommt besonders dann zum Tragen, wenn ihm keiner dazwischensingt.

    Eigentlich wollte ich nur mal mit mit diesem Sätzchen von der Klassik-Schiene wegkommen...


    Arbus ist vielseitig und kreativ.
    Besonders überzeugend finde ich sein Spiel im dritten Satz der Sonate "Baba O'Reily".

    "Delierende Luzidität". Aha, soso. Nun, wenn der FAZ-Mann das meint.


    Mit Van Morrison ist es so wie mit vielen Rock-Ikonen, die schon ewig zugange sind: Wer viel produziert, produziert auch viel Mist. Ich habe auch mal gemeint, ich müsste möglichst viele LPs von ihm haben. Inzwischen habe ich mich von einigen getrennt, die mich einfach nur (mehr oder weniger gepflegt) langweilen.


    'Astral Weeks' gehört nicht dazu, wird zu Recht ein Klassiker genannt. Ebenso 'Moondance', mit dem unvergleichlichen 'Into the Mystic'. Diese Komposition ist einer der besten Rocksongs überhaupt. In zweieinhalb Minuten wird hier ein atmosphärisches Panorama geschaffen, wie es nur in ganz glücklichen Momenten gelingt. Man fühlt sich an irgendeine irische oder schottische Küste transportiert. 'I wanna rock your gypsy soul... '


    Überhaupt sind es die frühen Songs, die ich mag. Über 'T.B. Sheets' habe ich mal abfällige Kommentare von Rock-Musikern gehört; aber gerade hier gehen monotoner Sprechgesang, bluesiges Feeling und Text stimmig zusammen. Die Hilflosigkeit beim Besuch einer sterbenskranken Person wird hier
    eindrucksvoll ausgedrückt.


    Und danke, Van, für 'Gloria'. Hiervon gibt es auf einer späteren Platte eine phantastische Version zusammen mit John Lee Hooker.


    Leider ist es aber halt auch so, dass sich der Meister allzu oft selbstgefällig durch zwei LP-Seiten schleppt. Morrisons Musik ist ohnehin sehr oft durchaus konventionell und uninspiriert, dient nur als Folie für seine gesanglichen Exkursionen. Und die führen ihn schon mal auf Abwege, wo er dann z.B. 30 Sekunden auf der Silbe 'blah' improvisiert (der Titel des Songs ist mir momentan entfallen).


    Hinzu kommen Fragwürdigkeiten der Diva Morrison bei Live-Auftritten, wo er gelegentlich vorzeitig von der Bühne gegangen sein soll, oder wo er Zugaben verweigert (letzteres habe ich in Düsseldorf vor Jahren selbst erleben dürfen). Derlei Gehabe wird dann von Van-freundlichen Publizisten gern als Zeichen von Sensibilität gewertet - für mich ist es eine Missachtung des zahlenden Publikums.


    Wie auch immer: Er hat sich seinen Platz in der Rock-Geschichte verdient, aber man darf auch ein paar Fragezeichen setzen.


    Elmar