Posts by Heinz.Gelking

    Hallo,


    einen Tipp wert ist auf jeden Fall die Aufnahme von Thomas Zehetmair aus den 1980er-Jahren. Die ist damals bei Teldec noch auf Vinyl erschienen. Zehetmair hatte sich damals (nach Konzerten mit Harnoncourt) stark mit der historischen Aufführungspraxis beschäftigt. Er folgt dieser nicht zu 100% (ich glaube, dass er beispielsweise ein modern eingerichtetes Instrument spielt), aber er interpretiert die Werke ungemein frei und wie improvisiert - eben kein romantisches Rumorgeln auf vier Saiten, sondern eher impulsiv und tänzerisch.


    Grüße von


    Heinz

    Auf der Suche nach Youtube-Schnippseln der Pianistin Maria Grinberg bin ich vor ein paar Jahren auf die Video-Sammlung eines Users namens "truecrypt" gestoßen. Einfach mal stöbern: truecrypts Youtube-Kanal. Eine wahre Fundgrube vor allem historischer Pianisten aus der Sowjetunion, u.a. Yudina, Neuhaus, Sofronitsky, Oborin ...


    Grüße,


    Heinz Gelking

    Als Stefan die Kompositionsregeln ins Spiel brachte, war ich zuerst skeptisch: Ist es wirklich der Umgang mit den Kompositionsregeln, der Mozart von Stamitz unterscheidet und womöglich ein qualitatives Gefälle begründet? Ich weiß nicht ... Mir war das Argument, sagen wir mal, zu "akademisch".


    Aber dann habe ich nachgedacht und mich gefragt, wie ich selbst Musik beurteile. Dabei spielen nicht steuerbare Aspekte eine Rolle: Meine emotionale Reaktion auf die Musik. Ich weiß, gleich gerate ich ins Fahrwasser des reinen "Geschmacksurteils", aber ich kriege die Kurve noch ...


    Ich glaube nämlich, dass unsere emotionalen Reaktionen auf Musik zum Teil darauf beruhen, wie die Musik mit unseren Erwartungshaltungen umgeht. Der unerwartete Paukenschlag weckt auf - Haydn wusste das. Je mehr Musik man hört, desto mehr Kompositionsregeln nimmt man gewissermaßen "unter der Haut" und ganz ohne akademisches Brimborium auf. Durch Gewöhnung entstehen Erwartungen. Darum funktionieren Trugschluss-Effekte. Auch das wusste Haydn (zum Beispiel: 101. Sinfonie, 1. Satz). Ohne zu wissen, was ein Trugschluss ist, wird sich ein Hörer mit einer gewissen Erfahrung im Hören von Sinfonien der klassischen Periode am Schluss des ersten Satzes dieser Sinfonie überrascht fühlen: Aha, interessant, wie der Haydn das komponiert hat ...


    Worauf ich hinaus will: Es gibt also durch Hörerfahrung verinnerlichte Erwartungen an Musik. Diese Erwartungen haben natürlich mit Regeln zu tun. Musik erzielt genau dadurch emotionale Wirkungen beim Hörer, dass sie mit diesen Erwartungen spielt.


    Aber diese Spiel mit Regeln und Erwartungen ist sicher nur ein Kriterium, das die "Qualität" von Musik bestimmt. Doch auf eben dieser Grundlage kann ich zum Beispiel monotone Musik "nach Schema F" ablehnen. Sie ist reizlos, insofern sie eben nicht mit meinen Erwartungen spielt: Sie unterfordert mich und das langweilt.


    Grüße,


    Heinz

    "Das Katzengeschrey angelanget wird folgender gestalt gemacht, daß man
    mit einem Finger manchen ton, da die Noten stehet, mehlichen unterwartz
    zu sich zeuhet, da oben die Semifusen geschrieben seyn, muß man mit dem
    Bogen bald vor bald hinter den Stegk uffs ärgste und geschwindeste als
    man kan faren, auff die weise wie die Katzen letztlichen, nachdem sie
    sich gebissen und jetzo aufreissen, zu thun pflegen." (Carlo Farina, geb.
    1600 in Mantua, gestorbem 1639 in Wien, Konzertmeister in Dresden unter Heinrich Schütz.)

    Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Carlo_Farina
    Soviel zum Thema "Geräuschhaftigkeit" beim Geigenspiel. Das hat eine Tradition, die ist so lang wie die Geschichte der Geige selbst.


    :)


    Freundlich grüßend


    Heinz

    Hallo zusammen,


    mein Material der Wahl ist Siebdruckplatte. Sehr fest, wenig anfällig für Luftfeuchtigkeitseinflüsse und in vielen Schichten aufgebaut - ideale Eigenschaften also. Und weil man für eine Tonarmbasis ja nicht viel braucht, fällt auch der ziemlich hohe Preis kaum ins Gewicht.


    Freundlich grüßend


    Heinz Gelking

    Unter den großen der Vergangenheit haben wir bisher aber den in meinen Augen überragenden Zino Franchescatti vergessen. (...) Für mich der Geiger seiner Generation.
    PS: Sucht mal bei YT nach dem 2.Prokofjewkonzert mit ihm!

    Schön, dass jmd. an Francescatti erinnert. Meine Lieblingsaufnahme von ihm gibt es ebenfalls auf Youtube, nämlich das VK von Bruch mit Francescatti und keinem geringeren als Dmitri Mitropoulus. Das Konzert ist ja nun wirklich reichlich abgespielt, aber in dieser Kombination macht's wieder einmal richtig Spass es zu hören. Francescatti neigte ohnehin dazu, sich richtig starke Partner zu suchen - siehe auch seine Zusammenarbeit mit Robert Casadesus.


    Grüße,


    HG

    Ich glaube, dass sich die Spieltechnik gerade beim Cello in den letzten Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt hat. Ich meine mich an ein Interview mit Janos Starker zu erinnern, das ich vor ein paar Jahren las. Starker erzählte, dass die jungen Cellisten, die heute zu ihm in den Meisterkurs kämen, in den 50ern über Nacht allesamt Stars geworden wären, weil die jungen Leute heute technisch schon früh sehr weit sind. Insofern sind die hohen Preise, die für manch alte Celloplatten werden, überraschend.

    Tendenziell stimmt das vermutlich. Wobei gerade Starker ja das beste Beispiel dafür abgibt, wie entwickelt die Technik des Cellospiels auch um 1950 schon war. In diesem Sinne wäre auch der Name von Emanuel Feuermann unbedingt zu nennen (dem Mainardi oder Casals technisch bestimmt nicht das Wasser reichen konnten).


    Nebenbei, ich erinnere mich vor ein paar Jahren eine Begründung für Starkers Rückzug von der Bühne gehört zu haben: Die Bauchmuskulatur sei nicht mehr stark genug. Offenbar verlangt das Cellospiel eine enorme Körperspannung. War mir bis dahin gar nicht so klar.


    Was Shafran angeht: Dieser Cellist ist schon ziemlich "speziell". Manche Aufnahme wirkt auf mich unglaublich maniriert und extrovertiert bis ran an die Grenze des guten Geschmacks (insofern ein Vorläufer Maiskys), andere finde ich unfassbar schön (z.B. seine Aufnahme der Violinsonate von Franck). Auch technisch war er zeitweise gewiss einer der Besten überhaupt.


    Übrigens liegen der Witz und Bosheit dieses (hier schon zuvor verlinkten) Videos gerade darin, dass Hauser das Spiel bekannter Interpreten tatsächlich so treffend heraus arbeitet (z.B. die unkontrollierten Nebengeräusche bei du Pré oder die problematische Intonation Shafrans): http://youtu.be/hC5TQqW44dY


    Freundlich grüßt


    HG

    Interessant. Möchte gerne auf Miklos Perenyi hinweisen. Es gibt ihn sogar auf LP (Hungaroton). Aber Formatfragen sind in Anbetracht seiner Klasse wirklich sekundär. Die zu erkennen, reicht ein Youtube-Schnipsel. Keine Ahnung, warum Ma und Maisky berühmter sind.


    http://youtu.be/s51AOB9VT9k


    Freundlich grüßend,


    HG


    PS: Wo hier so viel von Moderner Musik die Rede war - Siegfried Palm verdient in dem Zusammenhang natürlich mindestens eine Erwähnung.

    Hallo,


    die drei genannten Musiker nahmen für RCA im April 1974 das B-Dur-Trio von Schubert in Genf auf. Ich habe die Aufnahme auf CD (gekoppelt mit Schumann op. 63). Jetzt habe ich eine Frage: Weiß jemand, ob das jemals auf LP erschienen ist (RCA XYZ-1234 ???). Google, bei der Suche nach LPs immer ein ganz guter Indikator, gibt mir nichts raus (Suchworte: Rubinstein Szeryng Fournier Schubert RCA). Aber was Google nicht kennt, könnte ja trotzdem existieren ...


    Kennt jemand das auf LP und hat eine Nummer dazu?


    Freundlich grüßt


    Heinz

    Ja, der Newsletter las sich eigentlich ausgesprochen zuversichtlich; neue Projekte wurden angekündigt und so.


    Michael Hobson schreibt auch: "I am proud to announce that Classic Records is producing the latest Peter Gabriel record on LP which will be distributed by EMI in the US and Universal in Canada. The record, entitled �Scratch My Back� is a unique approach to, what some would call, a covers album with Peter covering songs from Neil Young, David Bowie, Magnetic Fields and Bon Iver among others. The twist is that, in return, the artists Peter has covered, have each agreed to cover a Gabriel song as well. So, on record day (April 17th), Real World will also release a Classic Records produced 7� � 45 rpm single with Peter�s version of �Book Of Love� written by Stephin Merritt from Magnetic Fields coupled with Stephin�s version of �Not One Of Us�."


    Klingt doch gut.


    Grüße,


    Heinz


    Hallo Heinz,
    (...) SC in Sachen "Klassik" konzentriert sich in letzter Zeit doch sehr in Richtung DGG. Dafür wird es sicherlich Gründe geben (?). "Testament" war zumindest hierzulande eher "unterbelichtet" - auch was die Verfügbarkeit betrifft. Sollten die mal ihre EMI-Verbindungen repertoiremässig etwas erweitern, lasse ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen. ;)
    Grüße Oliver

    Stimmt, das Repertoire von Testament ist auf Vinyl nicht breit, aber etwas haben sie richtig gemacht: Nicht (nur) nachgepresst, sondern auch "neue alte" Aufnahmen herausgebracht, wie den Keilberth-Ring. SC nehme ich als doch ziemlich breit gestreut wahr. Die machen inszwischen ja auch Philips.


    Schade finde ich es auch, dass nach meinem Eindruck die Vinyl-Veröffentlichungen von audite nicht mehr fortgesetzt werden. Wenn ich die Internetseite richtig deute, verkaufen die nur noch LP-Bestände ab. Den Ansatz, sehr gute analoge Rundfunkaufnahmen zu nehmen und zu veröffentlichen, fand ich sehr interessant.


    Grüße,


    Heinz

    Mal etwas provokant gefragt: Und, ist das schlimm?


    Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ja, und natürlich für alle, die als Händler oder im Vertrieb Energie in den Laden gesteckt haben. Ich möchte in dieser Hinsicht also nichts zynisch klingen.


    Aber für die Zukunft der LP ist das wohl nicht so relevant. Die LP hat Zukunft wegen des noch immer unübersehbaren Gebraucht-Angebots und wegen Neuproduktionen. Aber nicht wegen irgendwelcher immer und immer wieder neu aufgelegter audiophiler "Schlachtrösser". Und unter den Nachpressern haben Speakers Corner und Testament Records auf jeden Fall das interessantere Angebot - vielleicht nicht unter klanglichen Gesichtspunkten, aber wohl hinsichtlich des Repertoires.


    Rock- und Jazzhörer mögen das anders sehen.


    Freundliche Grüße


    Heinz