Injection Molding LPs

  • Hat jemand schon eine in der Hand gehabt oder gar gehört? Das Spritzguss-Verfahren scheint seine Vorzüge zu haben: Die Qualität ist durch Automatisierung zudem angeblich gut. Es wird auch behauptet, dass die Schallplatten häufger abgespielt werden können. Ich bin gestern durch diesen Beitrag auf das Herstellungsverfahren aufmerksam geworden, in dem der Produzent zentrale Fragen beantwortet:


    Injection Molding LPs: Green Vinyl Records

  • Danke, sehr interessant zu sehen.

    Musik - Plattenspieler - Phonoverstärker - Streamer - 2 Vorverstärker - 2 Endverstärker - 2 Lautsprecher - viele Kabel - einige Racks


  • Seltsam, dass sich die Firma Green Vinyl Records nennt und dann gar kein Vinyl verwendet. Ich hatte leider keine Zeit mir das ganze Video anzusehen – wird denn irgendwann gesagt, welches Material sie stattdessen benutzen?


    Spritzguss-Singles aus Polystyren waren in den USA weit verbreitet, ein paar habe ich in der Sammlung. Man sagt, sie seien relativ empfindlich und sollten nur mit konischen Nadeln gespielt werden. Die scharfen Schliffe fräsen sie kaputt.

  • Das Spritzguss-Verfahren zur Herstellung von Schallplatten war bei 7 Inch Singles in den 70er- und 80er-Jahren weit verbreitet (in Deutschland z.B. Polydor, Philips, Mercury, Metronome, Ariola, Chrysalis, Virgin).


    Gut erkennbar sind die Scheiben am fehlenden Papieretikett, die Labelschrift ist vertieft und der Rest eingefärbt.


    fancy.jpg


    Die Singles sind zum Teil (Polydor, Metronome) deutlich leichter zerbrechlich als gepresste Exemplare, allerdings neigen sie nach sehr häufigem Abspielen weniger zum Knistern. Das ist zumindest mein subjektiver Eindruck.


    Nachzulesen auch im Artikel über Schallplatten bei Wikipedia.


    Grüße,

    Axel

  • Interessantes Video. Mir gefällt sein sachlicher Zugang. Er lieferte chemische Vorprodukte für die CD und DVD Produktion (PC usw.), bekam mit, wie die produziert werden, beobachtet den Vinyl Boom, wundert sich über die althergebrachte Produktionsweise, übernimmt Techniken aus der CD Produktion, ändert jedoch das Material von PC auf PET, ist so das ungute chlorierte Polymer los und hat einen höheren Durchsatz, geringere Energiekosten, geringeren Personalaufwand bei zumindest vergleichbarer Qualität.

    Diese Eigenschaften werden das Verfahren erfolgreich werden lassen (wenn nichts dazwischen kommt). Denn so wie in den 80ern die CD Produktion günstiger war als die der LPs, konnte trotzdem ein höherer Verkaufspreis durchgesetzt werden (in Österreich damals 130-180 ATS für eine LP, 250 für eine CD)

    Blöd find ich , dass es trotzdem Vinyl genannt wird, aber das dürfte eher als Gattungsbegriff verstanden werden.

    Langzeitberichte über die Abnutzung der Abtastnadeln wären noch nötig. Wenn PET eine geringere elektrostatische Aufladung zeigt, könnte es auch zu geringerer Abnutzung des Diamanten kommen.


    LG


    Ronald

  • ich möchte die Eingangsfrage noch einmal aufgreifen: hat schon jemand LPs mit diesem Verfahren gehört bzw. besitzt welche?

    Aktuell wüsste ich (und das auch nur durch entsprechende Webrecherche) nur von folgenden Titeln:


    Damian Wilson - Limehouse To Lechlade

    Adam Wakeman - A handful Of Memories

    Dan & His Imaginary Friends - Dan


    Plus alle Titel bei Green Vinyl Records (siehe https://www.discogs.com/de/label/2314663-Green-Vinyl-Records)

  • Hallo Manfred,

    ja, besitze und höre Spritzguss-LPs aus dem aktuellen Fertigungsverfahren. Eine davon ist meine LP des Jahres – Mitte des Monats (15.12.) in der MINT nachzulesen …


    Das mit dem GREEN VINYL ist ein wenig irritierend … es gibt von Green Vinyl Granulat für konventionelle Pressen, das in großen deutschen Presswerken bereits zum Einsatz kommt.


    Und es gibt das Spritzgussverfahren mit dem Material. Diese Fertigungstechnologie ist anders. Tatsächlich nur mit der CD-, besser Laser-Disc-Herstellung zu vergleichen.


    Dort ist der Schmelzpunkt und der Druck auf die Öffnung viel höher. Aber, die Platte ist beim Verlassen der Form niedrigtemperiert (viel ruhiger als beim konventionellen Pressen). Das Material ist, wie bei der CD, absolut homogen ausgeformt. Der Spiegel der Platte ist, auch wie bei der CD, frei von Artefakten oder "Noppen". Einfach eine saubere Sache.


    Die optische Stressanalyse zeigt minimale Spannung. Die Scheiben sind sehr plan …


    Es gibt Spritzgussplatten derzeit mit nachträglich fixiertem Etikett (Bedruckstoff, früher nannte man das Papier), aber auch, ebenfalls nachträglich, mit Tintenstrahldrucker beschriftet (übrigens farbiges Vollbild!). Gefällt mir persönlich sehr gut.


    Außerdem gibt es noch energetische Vorteile. Ach ja, tatsächlich ist PET das nachhaltigere, weitaus nachhaltigere Material.


    Bislang gibt es kein vergleichbares breites Repertoire (Pop, Akustischer Jazz, Klassik), das in dem Verfahren gepresst wurde. Aber sicher wird sich das mittelfristig ändern.


    mbG, Frank

  • Gute Frage: Ja!


    Inzwischen sind offiziell auch LPs im Spritzguss-Verfahren in Umlauf, die in Gütersloh bei Sonopress hergestellt werden … dazu gibt es eine geschütze Marke, die die ökologischen Aspekte in den Vordergrund stellt: EcoRecord (plus Logo).


    Aktuell kann man bei Amazon UK eine entsprechend beworbene Sonderausgabe ordern. Wird auch auch nach DEU geliefert.


    https://www.amazon.co.uk/Gallagher-Squire-Amazon-Exclusive-EcoRecord/dp/B0CS37L4B5/ref=sr_1_2?dib=eyJ2IjoiMSJ9.POns72dEEn19BnEEPSk1wDRAXYcrm3gycKInX-YMCyc.mCxMr06DFUO7_H576B5oPu4BP-jKKrvrIYu3WJYgeYE&dib_tag=se&qid=1712134018&refinements=p_32%3ALiam+Gallagher+John+Squire&s=music&sr=1-2


    Die EcoRecords sind farbig und glasklar. Die Betonung liegt auf glasklar, wie eine farbige Fensterscheibe. Nicht milchig oder wolkig sondern tatsächlich durchsichtig. Außerdem sind die Platten exzellent zentriert und praktisch kaum Höhenschlag. Wenn die Nadel in der Rille läuft, tanzen weder Abtaster noch Arm … das sieht bestechend aus …


    Die Fertigung in Gütersloh läuft aktuell auf einer entsprechend ausgerüsteten Spritzguss-Maschine (Eigenkonstruktion) mit daran anschließender vollautomatisierter Konfektionierung (Etikett, Innenbeutel). Sonopress ist führernder Hersteller für alle Digital-Datenträger und hat enorme Erfahrungen mit allen Aspekten der Spritzgußtechnik (CD, DVD, BD).


    Zu der o.g. Platte hat Sonopress einen Imagefilm bei Youtube. Da kann man alles im Detail sehen. Empfehle das in Zeitlupe zu studieren, dann versteht man die Werkzeuge und Geräte besser … ach ja, alles was dort gezeigt wird, gibt es dort wirklich!


    Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.


    Zum RSD wird eine weitere Sonderauflage (Sonopress Gütersloh) kommen:


    ASHNIKKP – DEMIDEVIL

    ((Rediscover Ashnikko’s debut mixtape with Demidevil: Special Edition, featuring two bonus tracks, ‚Tantrum‘ and ‚Daisy 2.0‘ never before on vinyl. Pressed on transparent pink EcoRecord vinyl, housed in a sleek mirror-board silver sleeve and accompanied by an eight-page exclusive booklet. Immerse yourself in standouts like ‚Daisy‘, ‚Slumber Party‘, and ‚Cry‘, among others.)) Label: PLG UK FRONTLINE



    In der aktuellen MINT hat Dr. Mint (das ist eine Kolumne mit Erklärungen zu allgemeinen und speziellen Fachfragen) eine Reihe von Details zum Spritzguss-Verfahren und den bislang drei bekannten Fabrikanten (in ITA, NLD, DEU) zusammen gestellt. Ach so, falls jemand fragt: Nein, ich bin nicht Dr. Mint!