Ode an den Well Tempered Amadeus II

  • Möchte hier mal meine Erfahrungen zum obigen Dreher kundtun, den ich mir zuletzt zugelegt habe. Ich war lange auf der Suche nach etwas anderem. Nun, alle, die sich etwas auskennen wissen, dass am Amadeus nichts normal ist… Die Konstruktion an sich hat wirklich einige pfiffige Details, die ich persönlich grandios umgesetzt finde. Ich möchte jetzt hier keinen neuen Testbericht abgeben, davon gibt es im Netz genug, aber meine Eindrücke schildern.

    Ich habe lange nach einem guten Zweitlaufwerk gesucht. Viele verschiedene kamen mir in den Sinn. Das Problem dabei war immer: es waren Laufwerke. Heißt, man benötigt einen extra Tonarm. Letztendlich aus Budgetgründen habe ich mich dann nach einem kompletten Plattenspieler (ohne TA, den hatte ich schon) umgesehen.


    Um es gleich mal vorweg zu nehmen, ich bin der Meinung, dass es sich hier um einen Kandidaten für den Best-Bang-For-The-Buck Award handelt. Obwohl ich ihn gebraucht bekommen konnte finde ich den Neupreis von gut 3500,- nicht überzogen. Auch den hätte ich bezahlt, aber man sucht ja immer billig…


    Der Tonarm mit seinem Silikonöl-Lager funktioniert mit meinem Grado Reference 2 The Reference prächtig. Allerdings bin ich beim Aufbau desselben fast verzweifelt. Ich war wirklich zu blöd die Anleitung zu deuten. Gut, dass es youtube tutorials gibt… danach war alles klar und ich hab über mich nur den Kopf geschüttelt. Aber da war das Kind schon in den Brunnen gefallen und die Wanne etwas übergelaufen… Es ist tatsächlich etwas schwierig die richtige Menge Öl einzufüllen. Ist der TA noch nicht montiert fehlt die Markierung in der Wanne, Ist er montiert wird es schwierig das zähflüssige Zeug vernünftig einzufüllen, da der Golfball etwas im Weg ist. Ich bin mir sicher, es gibt Personen, die sich nicht so blöd anstellen wie ich… Aber die Befüllung kann schon eine ziemliche Sauerei sein. Grundsätzlich finde ich die Konstruktion des TA einfach GENIAL. Da hat sich wirklich mal einer Gedanken gemacht. Die Aufhängung aus Nylon, genauso wie den Riemen kann man hier und da nachkaufen. Es ist exakt beschrieben, welche Länge und Dicke man haben muss. Was mich außerdem fasziniert ist die Tatsache, dass man sowohl Lageröl (normales Motoröl!!) und das Silikonöl auch „überall“ kaufen kann. Es wird sogar in der Anleitung explizit darauf hingewiesen welche Viskositäten man benötigt! Da will keiner mit teuren Ersatzteilen Kohle machen (wie ich bei anderen Herstellern schon erfahren musste). Applaus.

    Auch das Lager, so noch nie irgendwo gesehen… Der Dorn wackelt und wird erst unter Zug arretiert, aber auch das kann man im Netz nachlesen. Ich habe mir außerdem das externe Netzteil „DPS“ zugelegt. Ob das nun was bringt habe ich mit der Wandwarze nicht verglichen. Aber ich fand’s cool. Vielleicht war der Grund auch dass ich schon den Bauer DPS besitze… man weiß es nicht :S

    Squashbälle als dämpfende Füße – auch da muss man erstmal drauf kommen. Einfach, effektiv, wieder genial.


    Zum Klang: Der Ama läuft, wie erwähnt, als Zweitdreher mit MI TA. Ich habe keine Vergleiche mit meinem JSD6 gemacht (keine Lust alles umzubauen). Das was da raus kommt hat mir auch so gereicht. Ich bin völlig begeistert. Unglaublich ausgewogen, mit einem Rhythmus und Timing das keine Wünsche offen lässt. Was mich vor allem beeindruckt ist die Durchhörbarkeit oder Auflösung. Dies macht sich v.a. im Bass bemerkbar, der wunderbar tief geht und sehr differenziert spielt. Alle positiven Eigenschaften des Grado werden deutlich transportiert. Wenn ich damit höre vermisse ich meine #1 nicht. Ich persönlich kann da kein größeres Lob aussprechen. Es wäre sicherlich Interessant wie sich meine anderen TA’s machen, ich habe ja auch noch ein Koetsu Black. Vielleicht baue ich doch irgendwann nochmal um. Er soll ja mit praktisch allen (!) TA funktionieren. Aber im Moment höre ich nur zufrieden Musik. Und das ist es doch was man will.


    Hört ihn euch an. M.E. spielt er einige Klassen höher als der Preis vermuten lässt.


    p.s. Bill Firebaugh hat auch zur Geometrie so seine eigenen Vorstellungen: https://www.welltemperedlab.net/philosophy/


    Analoge Grüße

    Merten


    10,000 years from now, when they're diggin' the shit out of our lost civilization and they find a CD, they're going to say: What the fuck is that?
    But if they find a record, they're gonna be able to play it back with a damn pine needle.


  • Hallo,


    schöner Bericht.


    Das Grado Reference 2 kenne ich nicht. Das Einser hatte ich mal ausprobiert und hat mir nicht so gut gefallen.

    Wenn du über andere Abnehmer nachdenkst, so kann man auch über ein Decca an dem Dreher nachdenken.

    Am besten gefällt mir das Colibri an dem Dreher. Ist aber alles Geschmaksache.


    Gruß Uli

  • Hallo Merten,


    Der genannte Artikel ist fast schon die Blaupause zum Plattenspieler-/Tonarmbau - nur hat das in letzter Konsequenz bislang kaum einer gemacht...
    Deine Begeisterung über den WT kann ich gut nachvollziehen:


    Ich habe den Funk Firm Vector3, vom Lager her dem WT ähnlich: Hier invertiert, mit "Spiel", stabilisiert durch den Vector-Drive = dreiseitiger Antrieb des Subtellers durch den Riemen .Der Plattenteller besteht aus einer Art geschäumtem Vinyl, der Arm hat innen eine Matrix-Aussteifung zwecks Dämpfung des Rohres. Einen DC-Motor nutzt der auch, den ich aber mit einer linearen Stromversorgung statt mit dem Standard-Steckernetzteil betreibe.
    Der (Haupt-)Tonarm ist der Rigid Float HA 9", dessen wichtiges Merkmal ein Öllager ist, das die Tonabnehmer-Tonarm-Resonanz dämpft und das Armrohr durch Ferrofluid quasi schwimmend und berührungsfrei stabilisiert. Der TA ist ein Grado Reference "The Reference", am Funkarm läuft ein Ortofon 2M Mono.

    Alles zusammen für mich eine Traumcombo.

    BG

    Roland