€ 60 für eine Doppel-LP und sind wir Plattensammler daran selber schuld?

  • Heute spare ich mir bereits selbst die allerkleinste Überlegung darüber, dem immer noch vorhandenen Reiz in der Realität nachzugeben - die Preise für neue und auch gebrauchte Platten sind in meinen Augen schlicht Wahnsinn, besonders wenn man sie mit den Kosten digitaler Tonträger oder gar Streams vergleicht (letzteres hinkt natürlich).

    Kommt wahrscheinlich immer auf den Blickwinkel an. Ich kaufe regelmäßig Schallplatten, Neuveröffentlichungen, Reissues, gebrauchte Schallplatten, Singles und LPs. Wenn mir mal etwas nicht gefällt oder ich eine Platte nicht mehr haben möchte, kann ich sie immer für einen aus meiner Sicht angemessenen Preis veräußern, bei manchen vielleicht mit einem Drittel Abschlag, andere sind nach ein paar Jahren locker das Doppelte wert. Wer aber CDs kauft, kann diese nach ein paar Jahren oft nur noch für ein Zehntel des Preises losschlagen. Das empfinde ich als Wahnsinn.

  • Kommt wahrscheinlich immer auf den Blickwinkel an. Ich kaufe regelmäßig Schallplatten, Neuveröffentlichungen, Reissues, gebrauchte Schallplatten, Singles und LPs. Wenn mir mal etwas nicht gefällt oder ich eine Platte nicht mehr haben möchte, kann ich sie immer für einen aus meiner Sicht angemessenen Preis veräußern, bei manchen vielleicht mit einem Drittel Abschlag, andere sind nach ein paar Jahren locker das Doppelte wert. Wer aber CDs kauft, kann diese nach ein paar Jahren oft nur noch für ein Zehntel des Preises losschlagen. Das empfinde ich als Wahnsinn.

    Hallo,


    Gutes Posting und ja, irgendwie ist hier einiges am Verrutschen - denn letztendlich stellt ja dann der spottbillige Preis einer gebrauchten CD abzüglich gewisser geringer Faktoren den tatsächlichen Marktwert der darauf enthaltenen künstlerischen Leistung (d.h. der Musik) dar und damit hat man in Form der Differenz zu den Preisen einer LP mit demselben musikalischen Inhalt sehr schön beziffert, mit was der gesamte bei Vinyl beinhaltete Rest gewertet wird - und da ist für mich, dem es, bei aller Liebe zur Ästhetik, hauptsächlich um die Musik selbst geht, die Rechnung dann doch recht einfach, was natürlich nix daran ändert, dass das Preisgefüge hier extrem driftet und es nur, weil eine LP als zu teuer eingeschätzt wird, eine CD durchaus auch als zu günstig daherkommen kann.


    Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was ihm was wert ist und dann entsprechend seiner Möglichkeiten die Angebote auf dem Markt sondieren. Müsste ich mir keine Gedanken um pekuniäre Belange machen, stünde hier neben einer feinen Analogkette freilich auch eine gut sortierte Vinylsammlung - so aber nehm ich lieber mit CDs bzw. digit. Downloads vorlieb und träume weiterhin davon, dass das auch so gut klingt wie von LP… ;) :P


    Freundliche Grüße,

    Thomas

  • Je nach Musikgeschmack müssen Platten überhaupt nicht teuer sein. Wenn man sich z.B. bei gebrauchten Klassikplatten auf einen Kaufpreis zwischen 1 bis 10 Euro einschränken möchte, dann bekommt man dafür sehr gut klingende, künstlerisch wertvolle Platten im NM Zustand. Nur wenige Platten bestimmter Interpreten können preislich deutlich aus dem obigen Rahmen fallen. Wenn man limitierte Neuauflagen rechtzeitig kauft, dann geht das vom Preis auch noch -- Ausnahme: Reissues des Labels "The Electric Recording Company" (im Bereich Klassik und Jazz). =O


    Neben Klassik mag ich auch Jazz und da ist das Preisniveau bei interessanten gebrauchten Platten leider deutlich höher. Bei Jazz-Neuauflagen kommt es mir auf die Pressung an, daher sind mir z.B. bei Blue Note die Reissues der Classic Reihe (mit ihren schlichteren Covern und dem günstigeren Preis) sympathischer als die der TP-Reihe mit ihren dicken, aufgemotzten Covern, die im Regal mehr Platz verschwenden. ;)


    Generell sind Tonträger für mich ein Gebrauchsgegenstand, und ich kaufe nichts mit dem Hintergedanken es später weiterzuverkaufen (Duplikate kann man ja auch tauschen oder verschenken).


    Und zur Ausgangsfrage: für neue Platten sind 20-30 Euro pro Einzel-LP und 40-60 Euro pro Doppel-LP derzeit wohl üblich, und bei limitierten Auflagen und seltenen Gebrauchtplatten treibt die Nachfrage den Preis, somit sind die Käufer mit Schuld ... Und scheinbar gibt es ja auch noch Käufer, die selbst kleine Händler sind.


    -- Joachim

    Einmal editiert, zuletzt von jhr ()

  • Imho wird bei den hier vorgetragenen Vergleichsrechnungen mit den Preisen von vor >35 Jahren auch vergessen miteinzukalkulieren, dass die Musiker und ihr Umfeld damals hauptsächlich bis ausschließlich vom Verkauf physischer Tonträger gelebt haben und darüber hinaus nicht wenige auch zu Wohlstand gelangt sind, während hingegen heutzutage der karge Lebensunterhalt zum Großteil mit Konzerten und Festivalauftritten bestritten werden muss und die Alben eher als Begleitprodukt hierzu erscheinen - was die, und das ist ja der eigentliche Punkt, ausschließlich für Vinyl und nicht für andere Träger geltende Preisentwicklung für mich noch einmal in ein besonderes Licht stellt

    Hallo,


    dann muß aber nochmal verdeutlicht werden ob es sich um Neuveröffentlichungen aktueller Künstler handelt, oder Wiederveröffentlichungen.

    Rory Gallagher in grünem Vinyl gab`s vor kurzem für 18€


    Viele Grüße

    Daniel

    Mein Rezept ?

    Dreimal Solar Müsli und dann LANG ABSTREIFEN...

  • Habe einige Doppel-LPs, auf denen noch das Preisschild aus den frühen 70ern klebt: 29,80 Mark.


    Damit waren diese Platten effektiv teurer(!) als 60 Euro. Denn unter Berücksichtigung der Inflation hatten 30 Mark vor 50 Jahren gemäß offiziellem Preisindex mehr Kaufkraft als heutzutage 60 Euro.


    Fazit: Platten waren "in der guten alten Zeit" nicht billiger - außer in der Zwischenzeit, als nur einige wenige Leute noch Vinyl kauften.

    Viele Grüße, Christian.


    Shibata ist keine Wintersportart.

  • Habe einige Doppel-LPs, auf denen noch das Preisschild aus den frühen 70ern klebt: 29,80 Mark.


    Damit waren diese Platten effektiv teurer(!) als 60 Euro. Denn unter Berücksichtigung der Inflation hatten 30 Mark vor 50 Jahren gemäß offiziellem Preisindex mehr Kaufkraft als heutzutage 60 Euro.


    Fazit: Platten waren "in der guten alten Zeit" nicht billiger - außer in der Zwischenzeit, als nur einige wenige Leute noch Vinyl kauften.

    Und 29,80 Mark für eine Doppel-LP war vermutlich ein Sonderangebot. Der normale Preis (in der BRD) für eine einzelne Klassikplatte lag 1971 bei 25 DM, und Importplatten aus England und den USA waren noch teurer. Siehe:


    Hat die Schallplatte ausgespielt?
    Sie dreht sich seit 80 Jahren, doch nun scheint das Mono-Pol der Schallplatte ins Wanken zu geraten. Die Musik-Kassette -- von den Produzenten gern mit hohem C…
    www.spiegel.de


    Am Ende der "1. Vinylzeit" (der Übergangszeit zur CD) haben die Plattenläden (Anfang der 1980er Jahre) die Klassikplatten oft für 7,95 DM verkauft, um Platz für CDs zu schaffen.


    -- Joachim


    PS: in dem Spiegel-Artikel von 1971 werden Platten und Musikkassetten besprochen. Eine Platte hat damals 25 DM und eine Kassette 27 DM gekostet. Eine Doppel-LP hat damals auf Kassette 39 DM gekostet, die Doppel-LP dagegen 50 DM. (Das hatte ich ursprünglich falsch zitiert: ich dachte, dass der Preis einer Doppel-LP mit 39 statt 50 DM reduziert war, aber der reguläre Preis war einfach 2-mal 25 = 50 DM.)

    2 Mal editiert, zuletzt von jhr ()

  • Heute spare ich mir bereits selbst die allerkleinste Überlegung darüber, dem immer noch vorhandenen Reiz in der Realität nachzugeben - die Preise für neue und auch gebrauchte Platten sind in meinen Augen schlicht Wahnsinn, besonders wenn man sie mit den Kosten digitaler Tonträger oder gar Streams vergleicht (letzteres hinkt natürlich).

    Kann ich so nicht feststellen. Ich kaufe fast nur gebrauchte Platten und zahle selten mal mehr als 15 Euro für ne Platte. Meist bleibe ich aber unter 10 Euro, für VG+/NM. Ne Platte die schlechter erhalten kaufe ich nicht. Ich kenne mittlerweile die Händler die gute Ware zu fairen Preisen haben und die, die Mondpreise haben. Bei letzteren kaufe ich eben nicht, oder nur wenn es ne Platte ist die ich schon lange suche und die ich eben unbedingt haben will.


    Zugegeben finde ich deshalb nicht immer was. Manchmal fahre ich auch ohne Platten wieder nach Hause. Bin nachher auf nem Trödel. Mal sehen ob heute was dabei ist?

    Einmal editiert, zuletzt von Ligui ()

  • Zugegeben finde ich deshalb nicht immer was. Manchmal fahre ich auch ohne Platten wieder nach Hause. Bin nachher auf nem Trödel. Mal sehen ob heute was dabei ist?

    Na dann toi,toi,toi…auch wegen des Wetters.


    Herzliche Grüße

    Bernd

    Jazz and Lagavulin - my personal best match


    AAA-Mitglied

  • Wir reden hier von der Preisentwicklung der letzten sagen wir 5-10 Jahre. Da sind die Platten ungefähr 20-30 % teurer geworden, teilweise auch 50%. Wer die letzten Jahre regelmäßig wirklich neue Scheiben gekauft hat, weiß das. CDs sind im Vergleich kaum im Preis gestiegen, im Back-Katalog werden sie einem hinterher geschmissen. Und wie immer gilt, Ausnahmen bestätigen die Regel...


    Es geht nicht um die 70er Jahre oder Klassik Platten, die auch damals im Vergleich sehr teuer waren. Als ich anfing Klassik zu hören, war ich erst mal echt erstaunt, wieviel die gekostet haben.

    Streamen ist wie alkoholfreies Bier...scheint erstmal richtig zu sein, am Ende fehlt aber das Entscheidende.

  • Nein, es ging im Video des Ausgangsbeitrags nicht um Klassik oder Jazz, genau genommen ging es um eine Doppel-LP von Rammstein für 60 Euro (und sogar ein Reissue).


    Aber wer interessiert sich schon für Rammstein?

  • Wenn ich Klassik mögen würde hätte ich ganze Sammlungen für ein Butterbrot kaufen können. Hier gibts nen Caritas Laden wo ständig einige hundert Klassik LPs stehen, in top Erhaltung. Kosten alle 1 Euro/Stk. Die stehen da alle wie Blei im Regal, will keiner haben! Rock/Pop findet man da leider fast gar nicht.

  • Aber für Rock (höre ich selten, dann eher Punk) muss man sich ja auch nicht in sein Musikzimmer setzen und die hochwertige Anlage einschalten -- das höre ich eher nebenher beim Kochen oder wenn man Besuch hat, da reicht mir eine CD (früher hatte ich Kassetten).

  • Wenn *Deine* Rockplatten eine hochwertige Kette rechtfertigen, das ist doch wunderbar.


    Oben war die Rede von *meinen* Punk- und alten Rockplatten. Das sind zum einen von der Anzahl nicht viele und zum zweiten sind die teilweise wohl absichtlich mit einem trashigen, Lo-Fi Sound produziert. Ich persönlich höre solche (nicht akustische) Musik am liebsten in Mono, auf einer PA-Anlage, am besten im Freien mit einem Glas Bier in der Hand. Das ist halt meine Präferenz.


    PS: ist zwar off-topic, aber um 3 konkrete Beispiele meiner Platten zu benennen


    1) "White Light/White Heat" von der Velvet Underground hat eine trashigen Klang (besser auf PA-Anlage)


    2) "Reach out ..." von den Sewer Zombies (Punk) ist Low-Fi Trash (besser auf PA-Anlage)


    3) Auf der hochwertigen Kette klingen akustische Aufnahmen besser, z.B. Neil Young "Live at the cellar door"

    Einmal editiert, zuletzt von jhr ()

  • Und 29,80 Mark für eine Doppel-LP war vermutlich ein Sonderangebot

    Moin Joachim,


    das war auch im Rock-Bereich in etwa so, jedoch kam es dann mit den Großaufträgen und Joint-Ventures unter den Schallplattenverlegern ab 1973 zu Preisreduzierungen. Kostete eine Doppel-Lp aus dem Rock-Bereich 1970 noch 28,00-36,00 DM, war das später dann schon auf 25,00 DM für eine Doppel-LP gesunken.

    Das die Doppel-LP heute mal pauschal auch mit doppeltem Preis angesetzt wird halte ich für übertrieben.

    Die Verkäufer werden auch heute ihre Zugpferde haben auf die gesetzt wird und die sind dann halt teurer im Verkauf, diese Auflagen dürften dann auch interessanter für "Investoren" sein.

    Vielleicht gibt es ja sogar parallelen von den damaligen Preisunterschieden Klassik - Rock zu den heutigen Neuveröffentlichung - Reissue.


    Viele Grüße

    Daniel

    Mein Rezept ?

    Dreimal Solar Müsli und dann LANG ABSTREIFEN...

  • . Ich persönlich höre solche (nicht akustische) Musik am liebsten in Mono, auf einer PA-Anlage, am besten im Freien mit einem Glas Bier in der Hand. Das ist halt meine Präferenz.

    Ohne jetzt näher da drauf einzugehen: Auch wenn Musik (Gesang, Instrumente) mit Mikros abgenommen und/oder elektronisch verstärkt wird ist es trotzdem akustische Musik. Ansonsten wäre Deine Klassik im Hörraum auch nur elektronisch.