FAZ: Zukunft des High End und HiFi

  • Naja, vieles wird mit den Jahren verklärt.


    Leute mit einer dicken Anlage waren schon in den 1970ern eher Exoten, genauso wie Leute, die sich zum Bilder knipsen eine Nikon um den Hals hängten.


    Ich habe zwischen 1975-1979 in zwei HiFi Studios gearbeitet und muss sagen, dass damals vieles anders war.


    HiFi war extrem beratungsintensiv, man musste die Kunden gut beraten und sie an sich binden, die Leute kamen, haben sich was angehört und gingen nach Hause. Mit etwas Glück kamen sie nach ein, zwei Wochen zurück und haben was gekauft. 2000 DM waren da schon viel, vielleicht kam noch ein Kassettenrecorder dazu.


    Ich habe damals recht viel privat verkauft und vermittelt, da gingen schon mal 3000 oder 4000 DM über den Tisch.


    Das waren aber auch die Leute, die sich Musik beschäftigt haben, in Plattenläden gegangen sind und mal mindestens 50-100 Platten daheim hatten.


    Die meisten meiner Freunde hatten aber ein paar Scheiben und diese unsäglichen Dual HS-irgendwas mit 2x6 Watt daheim. Ging so, war aber nicht schön.


    In meiner HiFi Klitsche habe ich ein einziges Mal eine Anlage für 25.000 DM verkauft und war unter den Kollegen wochenlang der King... ;)


    Man muss aber auch bedenken, dass High-End lange nicht so teuer war wie heute, auch inflationsbereinigt. Ein Accuphase Vollverstärker kostete um die 2500 DM, genauso wie ein Transrotor AC, so etwas konnte man sich schon vom Mund absparen.


    Wenn ich heute sehe, was für Preise aufgerufen werden, Verstärker für den Preis eines Kleinwagens, Boxen, für deren Preis man vor Jahren noch ein kleines Haus bekommen hätte. Ich lese dann gar nicht weiter.


    Diese Millionärsanlagen mag ich genauso gerne wie SUVs und sind für mich genauso Produkt der Protzgesellschaften, in denen die Menschen heute leben.


    Davon abgesehen, dass es immer weniger HiFi Liebhaber gibt, ist man auf lange Zeit gut bedient, wenn man die richtigen Geräte kauft. Meinen Luxman L-430 habe ich über 30 Jahre besessen und er läuft heute noch bei seinem "neuen" Besitzer.


    Wie alt ein Thorens TD 126 ist, wisst Ihr alle und ich nehme an, ich werde meinen noch vererben können...

    Viele Grüße
    Hans-Peter


    Musical Fidelity M5si

    Musical Fidelity M3scd

    Thorens TD 126 MkIII mit Ortofon VinylMaster Silver
    Elac Discovery Server DS-S101-G

    Bluesound Node 2i
    Bowers & Wilkins 705


    Mein Blog

    Meine Platten

  • Ich gebe dir mit dem Einzelhandel zum Teil Recht und Corona hat die ganze Sache nochmal beschleunigt. Aber es gibt immer noch eine Daseinsberechtigung für die Fußgängerzonen, denn shoppen ist eine Freizeitbeschäftigung, auch gerade für junge Leute ...

    Aber auch wenn der letzte Laden dicht macht, werde ich alternative Internethändler zum großen A suchen!

    :)

  • wenn ich heute jung wäre und anfangen würde, würde ich mir Wlan-basierte Aktivsysteme ohne Kabelverhau und gesteuert von Smartphone/Pad zulegen. ZB Sonos oder Bose.

    Modern designt und gut in den Wohnraum integriert


    Da ich aber nicht jung bin, habe ich LS im Raum stehen, die 1985 entwickelt wurden und die meine Enkelin (12) abschätzig als "die Kisten da" bezeichnet. Außerdem einen 300B Röhren-Verstärker, der an medizinische Geräte aus den 50ern erinnert.

    :)

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    back to the roots: Linn LP 12 - Naim - Harbeth

  • Protzen kann man heute am besten als Zeitmillionär, jemand der sich aktive Freizeit leisten kann. Denn darauf sind die allermeisten berufstätigen neidisch. Und dann etwas gesehen von der Welt, etwas erzählen können, schöne Erlebnisse. Das kommt bei Parties wesentlich besser an, wie als versponnener High Ender über 27cm Alu Spulen fürs Tonbandgerät zu philosophieren. Interessiert dort eigentlich niemanden, ist auch kein Thema für ein Tischgespräch. 8)

  • Protzen kann man heute am besten als Zeitmillionär, jemand der sich aktive Freizeit leisten kann. Denn darauf sind die allermeisten berufstätigen neidisch. ...

    Genau.

    Was nützt es 12/6/340 zu arbeiten, abends die teure Anlage kurz zu sehen (nicht zu hören) und dann todmüde ins Bett zu fallen.

    Darauf dürfte niemand neidisch sein .... 8)

  • wenn ich heute jung wäre und anfangen würde,

    ... dann würde ich nie auf die Technik meines Urgrossvaters und Grossvaters zurückgreifen wollen. Musik wäre nur ein verschwindend kleiner Teil meines Lebens und da würde mir Streaming genügen. Ich hätte mit meiner Clique zu tun, der Karre die ich mir kaufen will und Netflix müsste auch bezahlt werden.


    Musik zu konservieren würde mir nicht einfallen, sondern ich würde im heute und jetzt leben. Und wenn ich denn doch mal einen nostalgischen Anfall bekommen sollte, dann könnte ich die Musik meiner Teenagerjahre von einem Server abrufen.


    Cheers


    Roland

  • Geht es dem traditionellen "HI-FI-Handel" nicht genauso wie den traditionellen Bäckern, Metzgern, sprich Einzelhandel?


    Hier fand doch eine Zentralisierung statt. Der Einzelhandel verschwindet, große Konzerne/Firmen bündeln, die Einkaufspreise sinken, der kleine Shop stirbt!


    In Zeiten der Kurzzeit-Arbeistverträge (12 Monate) überlegt sich einer schon, ob er sich eine teure Musikanlage kauft, oder eben nicht.


    Am Beispiel MEDINA-MARKT sehe ich doch deutlich, in welche Richtung dort gedacht wird. Die aktuelle HI-FI-Abtl. ist ein Witz!


    Bei SATURM uns anderen Elektronik-Kaufhäusern wird es bestimmt ähnlich ausschauen.


    Es ist doch klar ersichtlich, daß die klassischen HI-FI/High-End-Studios/Geschäfte bald der vergangenheit angehören werden.


    Die momentan heranwachsende Generation Musik....konsumenten ist doch prozentual gesehen sehr weit weg von der Vinylplatte...CD...Compakt-Cassette.


    Wo soll denn da der Umsatz herkommen, wenn alles, immer und kostenlos aus dem Smartphone kommt?


    Wir-alten-Klangfreaks sind eine aussterbende Spezies.

    ♫♫♫ ~ Eine Seite hat 1 Rille, zwei Seiten haben 2 Rillen.

    .....ist das Vinylianerleben nicht einfach ~♫♫♫
    ~ ~ Exclusive Tonträger sind beidseitig abspielbar ~ ~

    Highfeine Grüße aus Mainhatten-Äpplertown

    der Robert

  • Ich bin mir nicht so sicher zu wissen, wie Jugendliche von heute über den Musikgenuß von Morgen denken, wie auch, ich bin alt.... Kann gut sein, dass in Zukunft ganz andere Dinge wichtig werden, weil die Vor-Generation(en) seither so manches verbockt haben?


    Grüße

    Thomas

    Bleibe gesund, lebe lang, stirb schnell.... ♫.♬..♫..♬..♫.


  • Bin mir sicher, dass zukünftig ein biochip implantiert wird, um das Gehör komplett zu umgehen. Was die Nervenzellen dort über Umwege von Schall in elektr. Impulse feuern (das ganze ist ungeheuer komplex, da spielt noch Flüssigkeit eine Rolle), das kann man direkt von diesem Biochip ans Gehirn senden.

  • Bin mir sicher, dass zukünftig ein biochip implantiert wird, um das Gehör komplett zu umgehen. Was die Nervenzellen dort über Umwege von Schall in elektr. Impulse feuern (das ganze ist ungeheuer komplex, da spielt noch Flüssigkeit eine Rolle), das kann man direkt von diesem Biochip ans Gehirn senden.

    ...man kennt die Musik, ohne sie je gehört zu haben....toll...

    Erinnert mich an eine Episode in Star Trek (TNG), wo Data drei Klassikstück gleichzeitig hörte. Geschockt, was dieser Klangbrei soll, fragte ihn Geordi dazu, Data meinte, er spare damit nur Zeit...

    In den 70er und 80er hatte eine gute Anlage noch einen deutlich höheren Stellenwert und viele gaben dafür Geld aus, weil das auch ein Hobby war. So wie andere teure Modellbahnanlagen oder Tuning-Autos haben. Klar, 25000 DM waren die absolute Ausnahme, dafür bekam man noch einen sehr guten, jungen Mercedes oder gar einen neuen Golf.

    Gruß André
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  • Ebenso wie teure Küchen oder riesige Freiluftgrillstationen, der kenntnisreich gefüllte Weinkeller, das edle Motorrad oder VintageDrittauto gehören Burmester-Anlagen, Macintosh-VU-Meter oder Plattenspielergebirge zum Zubehör gewisser Distinktion. Händler wie die beschriebenen oder einige andere vorzugsweise in ollen tollen Gemäuern untergebracht befriedigen diese wie die Läden von Bulthaup z.B. eben auch. Und dass zur Hörprobe exzellenter Espresso oder ein geiler Cru gereicht wird, ebenso. Ist doch schön, dass es sowas gibt. Irgendwo müssen wir ja auch den gebrauchten Kram herkriegen.

    Und den Händlern, die solche Läden bewirtschaften, geht es prima, glaubt mir….

    Lg

    B

  • Also ich kenne einige Leute die sich für Musik+HighEnd interessieren und dafür auch richtig Geld hinlegen(>100000€).

    Allerdings ist niemand von denen in irgendeinem HiFi Forum unterwegs.🤣😂

    P.S. Schön übrigens, daß die große ATC in Eltville auch vorgeführt wird.

  • Moin,

    ich habe mit 18 für meinen HiFi Kram vielleicht 5.000,- DM ausgegeben (Luxman L410, Lenco L75 und Sony CD).

    Teile davon stehen verpackt noch immer im Schrank. Das ist allerdings fast 39 Jahre her. Gerade mal 10,- EUR im Monat war mir das in den letzten 37 Jahren wert. In den letzten zwei Jahren habe ich mehr als 10.000,- EUR in HiFi gesteckt. Aus meiner Sicht macht HiFi gerade einen Boom.

    Gruß Guido

  • Also ich kenne einige Leute die sich für Musik+HighEnd interessieren und dafür auch richtig Geld hinlegen(>100000€).

    Allerdings ist niemand von denen in irgendeinem HiFi Forum unterwegs.🤣😂

    P.S. Schön übrigens, daß die große ATC in Eltville auch vorgeführt wird.

    Da lesen ganz schön viele hier mit. Die haben bloß keine Lust auf das kindische Gehader in solchen Foren…

  • Also ich kenne einige Leute die sich für Musik+HighEnd interessieren und dafür auch richtig Geld hinlegen(>100000€

    Ich habe es mal durchgerechnet, über 40 Jahre kommt das schon hin wenn man die UVPs als Maßstab nimmt.

    Mal ne Frage: Hören die Herrschaften auch damit?

  • Also ich kenne einige Leute die sich für Musik+HighEnd interessieren und dafür auch richtig Geld hinlegen(>100000€).

    Allerdings ist niemand von denen in irgendeinem HiFi Forum unterwegs.🤣😂

    P.S. Schön übrigens, daß die große ATC in Eltville auch vorgeführt wird.

    Ja, natürlich interessieren die sich für den Kram. Kenntnisreiche in Musik sind auch so manche. Die Frau kriegt halt die Bulthaup-Küche und der Alte die Burmesters. So aussergewöhnlich ist das alles nicht und es gibt sicher ein paar 100k Haushalte, die so viel € für HiFi ausgeben. Ist doch nix besonderes. Ist bei mir auch so…

  • Aus meiner Sicht macht HiFi gerade einen Boom.

    Ist auch so, durch Corona ist bei vielen einfach viel Geld übrig was investiert werden möchte und, ebenfalls durch Corona, am liebsten zu Hause weil Rausgehen einfach „zu gefährlich“ ist.

    Was im HiFi Bereich aber gar nicht mehr angesagt ist sondern lediglich in den Foren einen großen Raum einnimmt, das Feilschen um das letzte Klangprozent.

    Die Leute mit richtig großen Anlagen lassen sich einfach vom Händler ihres Vertrauens beraten, auch bezüglich der Verkabelung u.ä. und dann wird installiert und gut is.

    Meist klingt es ja vorzüglich und wird dann auch nie wieder infrage gestellt.

    Da lesen ganz schön viele hier mit.

    Von den Leuten die ich da vor Augen habe wüßte ich das nicht.

    Mal ne Frage: Hören die Herrschaften auch damit?

    Bestimmt, aber wie oft und in welchem Maße kann ich nicht beurteilen.

    Es ist allerdings auffällig, die mit der teuren Anlage sind nicht unbedingt dieselben wie die mit der großen Plattensammlung.😉

  • Man muss aber nicht 100000 Euro und mehr ausgeben, um sehr gut Musik zu hören

    Ich habe sehr viele , sehr teure Boxen gehört, die überhaupt nicht klangen.

    Entweder stimmt es tonal überhaupt nicht oder das grosse Dauerproblem der BR war nicht richtig abgestimmt und es wummerte und dröhnte.

    Man kann für 5000 bis 7000 Euro sich Boxen in MDF bauen, die wie 30000 bis 70000 Euro

    Boxen klingen. Dann noch gute gebrauchte Elektronik dazu etc. Je nach Ausbaustufe hat man dann für max 15000 eine super Anlage zu Hause. Das muss man ja nicht alles auf einen Schlag finanzieren. Fängt man mit den Lautsprechern an. Jeder hat ja schon vorhandene Geräte, die er erst mal nutzen kann. Über die jahre verbessert man sich dann


    Man kann auch gute gebrauchte Lautsprecher kaufen. Nach 15 Jahren kann man auch einen LS, der mal 30000 gekostet hat , für 7000 kaufen. Meist kosten Geräte nach 10 jahren ca 1/3 vom NP und nach 20 jahren 1/4 vom NP. Bei Verstärkern kann man das gut machen.


    Die NP für die Nobelgeräte sind ja in den letzten 5 Jahren gigantisch in den Himmel geschossen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Zumal es sich bei neuen Modellen meist um Modifikationen handelt und nicht um komplette Neukonstruktionen.