Klangwirkung der Eingangsimpedanz

  • Liebe Leute,


    bin zwar im engeren Sinne kein Neuling mehr, betrete aber Neuland (für mich) – indem ich mir nämlich dieser Tage meinen ersten MC-Tonabnehmer anschaffe. Damit stellt sich mir erstmals die Frage, was die oft- und heißdiskutierte Eingangsimpedanz eigentlich für Auswirkungen auf den Klang hat. Bei den Wahlmöglichkeiten bin ich da ziemlich limitiert, meine Whest Two kann laut Beschriftung des Mäuseklaviers nur 100 oder 500 Ohm. Was mich interessiert, ist aber weniger die konkrete Folge dieser beiden Einstellungen (die ich ja auch ausprobieren kann) als der theoretische Hintergrund: Auf welche Weise beeinfusst die Impedanz das Signal? Würde mich kolossal freuen, wenn mir das jemand so erklären könnte, dass es selbst ein Geisteswissenschaftler versteht... :/


    Danke vorab & schönen Abend allerseits

    Jan

    Wen es interessiert – meine Analogkette:
    Laufwerk: Thorens TD 520, Tonarm: Schick 12 Zoll, Tonabnehmer: Dynavector 20X L MkII, Phonovorstufe: Whest Two, Verstärker: Pathos Classic Remix, Lautsprecher: Bowers & Wilkens CM 10

  • Hallo Jan,


    ich bin eher Techniker, "aber" mich interessiert das Thema auch. Ich weis eigentlich nur, dass sich verschiedene MC Systeme jeweils an unterschiedlichen Lastimpedanzen am besten anhören (sollen). Wie sich das klanglich äussert und ob die MC-Last- bzw. Vorverstärkereingangsimpedanz an sich eine verlässliche klangliche "Signatur" zeigt, weis ich aber nicht, bezweifle das auch eher... Ich denke die Kombination aus MC Quell- und Verstärker-Eingangsimpedanz könte hier einen Zusammenhang mit dem resultierenden Klangbild haben, bin aber auch da unsicher.


    Es gibt hier ja einige MC Tonabnehmer und MC Vorverstärker Spezialisten, die uns da vielleicht etwas mehr Durchblick vermitteln könnten.


    Grüße,

    Winfried

    "...Schnell fertig ist die Jugend mit Wort, das schwer sich handhabt wie des Messers Schneide. Aus ihrem heißen Kopfe nimmt sie keck der Dinge Maß, die nur sich selber richten..." Zitat: F. Schiller - "Wallenstein"
    Ich höre & genieße mit meiner Ohr/Gehirnkombi! 8) Musikreproduktionsanlage siehe: über mich :)

  • Hallo Peter,


    das sieht tonal recht eindeutig aus, Danke! Bei MM gibt es ja ein ähnliches variables tonales Verhalten bezüglich der MM VV Eingangskapazität.


    Gibt es da weitere Untersuchungen wo man für verschiedene MC Tonabnehmer sieht wie sie sich bei unterschiedlichem Abschluss verhalten? Gesehen/gefunden habe ich da nichts.


    Ich setze gerne HighOutput MC ein und überlege immer ob da vielleicht auch eine VV Eingangsimpedanzabhängigkeit besteht. (Ich hoffe meine Frage ist nicht off-topic...)


    Grüße,

    Winfried

    "...Schnell fertig ist die Jugend mit Wort, das schwer sich handhabt wie des Messers Schneide. Aus ihrem heißen Kopfe nimmt sie keck der Dinge Maß, die nur sich selber richten..." Zitat: F. Schiller - "Wallenstein"
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  • Hallo,

    nach eigenen Erfahrungen und Messungen ändert sich bei (nicht Hi-output) MCs klanglich nichts.

    Nur die Lautstärke ändert sich in der Tat, was je nach Verstärker und natürlich physioakustisch zu Klangveränderungen führen kann.

    Bei meinem Sony XL-55PRO ist es sogar so, dass es am besten am TA-E900 klingt, und der hat die theoretisch ungünstigsten Werte.

    (4Ohm Eingang bei 40 Ohm Systemwiderstand).

    Der Frequenzgang gemessen in verschiedenen Stufen zwischen 3 Ohm und 47 kOhm zwischen 16 Hz bis 20 kHz ist absolut identisch.

    Freundlich

    Frank

  • Jan,


    je geringer die Eingangs- oder Abschlusswiderstand bei MCs ist, um so mehr wird der Tonabnehmer "elektrisch bedaempft". Damit laesst sich der Frequenzgang im Hochton in geringem Masse beeinflussen.


    Bei MMs dagegen ist die Abschlusskapazitaet wesentlich fuer das dynamische Verhalten im Hochton zustaendig.


    Mit Y-Adaptern am Phonoeingang und Anpasssteckern laesst sich jedes MC und MM dort beliebig anpassen - vorausgesetzt, der Eingangswiderstand ist hoch genug (bspw. 1kOhm) und die Eingangskapazitaet ist klein genug (bspw. 100pF).


    Gruss Stefan

    Malerei verwandelt den Raum in Zeit,
    Musik die Zeit im Raum:)

  • Hallo Stefan, beim Hören ist der Unterschied der einzelnen Werte, bei kleinen Schritten schwierig, aber wahrnehmbar, bei großenVeränderungen deutlich, ich Taste mich immer an "mein" Optimum heran. Meßtechnisch ist das allerdings, zumindest mit Adjust+ Kaum bis nicht nachvollziehbar. Wer keine Unterschiede hört, kann sich freuen.

  • Liebe Leute,


    danke für die Antworten bis hierhin. Große Einigkeit scheint da ja nicht zu herrschen, wenn ich das richtig verstanden habe. Von "deutliche Unterschiede im Frequenzgang" (Newsletter) über "in geringem Maße beeinflussbar" (Stefan) bis "messtechnisch nicht nachvollziehbar" (Jörg) ist alles dabei. Ich bin gespannt, wie sich das in meinen Ohren anhören wird. Eine große Auswahl an Einstellungen habe ich ja, wie erwähnt, nicht.


    Der erwähnte MC-Abnehmer (den ich wahrscheinlich morgen aus dem Laden abholen kann) wird übrigens ein Dynavector 20X L Mk2 sein. Weiß jemand, was an Verstärkung und Widerstand der gerne hat? Oder ist das am Ende in erster Linie Geschmackssache?


    Schönen Feierabend...

    ...wünscht Jan (hat Urlaub :P)

    Wen es interessiert – meine Analogkette:
    Laufwerk: Thorens TD 520, Tonarm: Schick 12 Zoll, Tonabnehmer: Dynavector 20X L MkII, Phonovorstufe: Whest Two, Verstärker: Pathos Classic Remix, Lautsprecher: Bowers & Wilkens CM 10

  • Die Medaille hat zwei Seiten.

    Einmal das, was ein Oszilloskop zeigt, nämlich einen möglichtst linearen F-Gang (Siehe auch den Beitrag von FM). Zum Anderen das, was den Ohren schmeichelt.

    Das können zwei unterschiedliche Dinge oder besser Widerstandswerte sein.

  • @ Peter:


    Ich weiß. Dass perfekte Messwerte keine optimale Hörerfahrung garantieren, ist ja einer der Gründe, warum die Schallplatte im Digitalzeitalter noch (oder wieder) so viele Freunde hat. Aber da ich nach dem technischen Hintergrund gefragt hatte, war Dein Hinweis auf die Frequenzgraphen im Newsletter natürlich genau der richtige.


    Der läuft bei mir mit 1KOhm, laut Beipackzettel braucht er irgendwas > 100Ohm.

    @ Rainer:


    Na, dann werde ich es erstmal mit 500 Ohm versuchen. Welche Verstärkung verwendest Du denn? Habe die Wahl zwischen 65 und 70 dB.


    Gruß

    Jan

    Wen es interessiert – meine Analogkette:
    Laufwerk: Thorens TD 520, Tonarm: Schick 12 Zoll, Tonabnehmer: Dynavector 20X L MkII, Phonovorstufe: Whest Two, Verstärker: Pathos Classic Remix, Lautsprecher: Bowers & Wilkens CM 10

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  • Hallo zusammen,

    das ganze ist in der Tat etwas kompliziert. Zum einem sind die Angaben an den Verstärkern unterschiedlich. Die einen geben die Eingangsimpedanz des Einganges an - wiederum andere geben an für welche Systemeimpedanz der Eingang ideal ist. So steht an manchen älteren Geräten 10 Ohm, messtechnisch sind es jedoch 100 Ohm.


    Ein weiteres Problem ist die Art der Eingangsschaltung selbst. So gibt es sehr gute Transistorschaltungen, bei welchen das System quasi in dem Einganskreis integriert sein sollte. Ist das der Fall, klingt es oft mit deutlich geringeren Abschlussimpedanzen besser als bei Verstärkertypen welche mit OPs aufgebaut sind. Diese wiederum lassen sich scheinbar problemlos mit 47Kohm abschliessen - was bei Transistortypen nicht funktioniert - und können dann durch parallelschaltung von Anpasswiderständen jeden beliebigen Wert annehmen. Dabei wird ausser Acht gelassen das nun ein großer Teil des Stromes schon vorher abgegriffen wird. Strom und Spannung stehen so nicht mehr in der richtigen Balance. Denn besten Klang erzielt man dann mit dem Widerstandswert welcher diese Balance am ehesten wieder herstellt - was nicht gleichbedeutend ist das es die ideale Impedanz für das System ist. So kommt es das an unterschiedlichen Verstärkern auch unterschiedliche Impedanzen angewählt werden müssen um ein ähnliches Klangergebnis zu erzielen. Dementsprechende Eindrücke sind also vollkommen normal.


    Nebenher, auch bei Übertragern - sofern sie richtig auf die entsprechenden Systemtypen konstruiert sind - ergeben sich gänzlich andere ideale Abschlusswerte als bei elektronischen Eingängen.


    Gruß


    Matej

  • das ganze ist in der Tat etwas kompliziert.

    Aber nur, wenn man's kompliziert macht. Früher war das ganz einfach - Tonabnehmer gekauft, der einigermaßen zum Tonarm passt, an den Verstärker angeschlossen, MM oder MC ausgewählt, je nachdem was es für ein Tonabnehmer ist und dann Musik gehört...:)

    Vom "Komplizierten" kann ich mich leider nicht ausschließen...;)

  • Liebe Leute,


    das System ist da und installiert. Läuft mit den empfohlenen 500 Ohm bei 65 dB Verstärkung. Und, was soll ich sagen? Zum Niederknien schön! Der Unterschied zum Clearaudio Performer V2 ist gewaltig, und das ist ja nun auch nicht gerade eine Nonsens-Nadel. Kriege das Grinsen nicht aus dem Gesicht und staune, was so ein Strömchen von 0,3 mV an Musik transportieren kann. Wow!


    Werde es beizeiten auch noch mal mit 100 Ohm probieren, aber das scheint mir im Moment eher nebensächlich.


    Gehe jetzt Plattehören

    Jan

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    Laufwerk: Thorens TD 520, Tonarm: Schick 12 Zoll, Tonabnehmer: Dynavector 20X L MkII, Phonovorstufe: Whest Two, Verstärker: Pathos Classic Remix, Lautsprecher: Bowers & Wilkens CM 10

  • Der Unterschied zum Clearaudio Performer V2 ist gewaltig, und das ist ja nun auch nicht gerade eine Nonsens-Nadel.

    Ähm, doch.... Ein aufgehübschtes AT95 um genau zu sein...

    Da ist so ein Dynavector doch ne ganz andere Liga...


    Gruß

    Andreas

    Die Natur ist zwar nicht unfehlbar, doch hält sie stets an ihren Fehlern fest. (Saki)


    Optimist: "Geil, schon Mittwoch.",
    Pessimist: "Scheiße, erst Mittwoch.",
    Realist: "Noch 8252 Arbeitstage bis zur Rente."

  • ^ Bin dabei. Gerade läuft die von Papa geerbte Sgt. Peppers und klingt vermutlich besser, als sie es in den Jahrzehnten seit ihrer Pressung je getan hat. Kann mich nur wiederholen: Wow!


    Interessante Beobachtung: Das neue System macht eigentlich alles deutlicher als das alte; die Bässe sind präziser, die Höhen klarer, und es sind Details zu hören, die ich vorher nicht wahrgenommen habe (so soll das sein). Störgeräusche, besonders das nervige Knistern, sind dagegen entweder ganz weg oder klingen im Verhältnis zur Musik deutlich leiser. Keine Ahnung, wie das geht, aber es gefällt.


    @ Aberlouer: Genehmige mir zum neuen System übrigens gerade einen Talisker. Verdient hätte es einen A'bunadh, finde ich, aber der ist gerade nicht im Hause... ;)

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  • Hallo Jan, das DV 20xL 2 hat einen Quellwiderstand von 5 Ohm.


    I.d.R. versucht man Systeme mit dem ca. 10 fachen Wert abzuschließen (Faustregel bzw. Näherungswert) . Das wären 50 Ohm am Phono Pre.

    Manche Pres, z.B. Omtec Antares sind bei einem 20fachen Wert d.h. 100 Ohm sehr gut abgeschlossen.

    Deshalb hätte ich mit 100 Ohm angefangen.


    Je nach Phono Pre reagieren mache Geräte sehr sensibel auf kleinste Veränderungen, mache kaum. Musst halt probieren.


    LG Hubert


    PS mit Y- Adaptern und Widerständen kannst du auch andere Werte einstellen s.o.


    PS PS DV 20xl2 ist eine sehr gute Wahl!!!!